Samstag, 23. September 2017

Warum die meisten eine "Buy-And-Hold-Strategie" nicht durchhalten

Der heilige Grahl "Buy-And-Hold"?


Wenn ihr meinen Blog schon kennt wisst ihr, dass ich (wie mittlerweile viele neue Finanzblogger) ein Verfechter des langfristigen passiven Investierens bin. Rein theoretisch gibt es unzählige (wisschenschaftliche) Nach- und Beweise für den Erfolg einer klassischen >Buy-And-Hold-Strategie<. Insbesondere im Hinblick auf das Thema Kosten und Gebühren liegen die theoretischen und statistischen Vorteile ganz klar beim "Kaufen und Liegenlassen" (s. auch mein Artikel >Rendite VS Kosten< ). Allerdings gibt es einen ganz erheblichen Störfaktor: Der Mensch bzw. die menschliche Psyche.

Fakt ist nämlich, dass bei den allermeisten Anlegern bei einem erheblichen Crash (-40%, -60% oder sogar -80%) der Druck, die Sorgen und die Ängste irgendwann so groß werden, dass die "Reißleine" gezogen und alles verkauft wird. Vom Nachkaufen und weiter Investieren mal ganz abgesehen. Hierzu möchte ich euch gerne den Artikel >Doch! Du wirst Angst haben!< von Mr-Market ans Herz legen. Er beschreibt hier sehr anschaulich die klassische "Leidensgeschichte" eines durchschnittlichen Buy-And-Hold-Investors. Tatsächlich wird bei den Meisten der Schmerz immer kurz bevor die Märkte sich wieder erholen am größten. Wenn man alles mit erheblichen Verlusten verkauft hat und mit ansieht, wie die Märkte wieder steigen...das gibt vielen den Rest.

Das mag vielleicht etwas "drastisch" klingen, ist aber meiner Meinung nach eines der größten Risiken als langfristiger Investor. Hinzu kommt, dass viele (junge) Finanz-Blogger erst nach der Krise 2008/2009 mit dem Investieren begonnen haben. Seitdem ging es für die Märkte ausschließlich steil bergauf ohne nennenswerte Kurseinbrüche. Ehrlich gesagt hätte in den letzten 10 Jahren sogar ein Affe problemlos ordentliche Gewinne erwirtschaften können an der Börse (s. >Affen machen mehr Gewinne als Investoren< ).

Deshalb jetzt ganz die Finger von Börseninvestments lassen?


Wenn sogar das klassische "Buy-And-Hold-Investieren" nun die Meisten nicht erfolgreich durchziehen können (ganz abgesehen vom aktiven Trading), liegt natürlich der Gedanke nahe sich ganz von der Börse fernzuhalten. Das wäre meiner Meinung nach allerdings fatal, da in den letzten Jahrzehnten an der Börse durchschnittliche Renditen von 7% - 9% erreicht wurden (s. >Was ist eine realistische ETF-Rendite nach Steuern und Inflation?< ) und wahrscheinlich auch in Zukunft (über einen langfristigen Zeitraum) weiterhin erreicht werden. Zwischendurch wird es aber auch definitiv wieder krasse Kurseinbrüche geben. 

Ich persönlich stelle mir auch die Frage "Was kann ich tun um beim nächsten Crash cool zu bleiben und nicht doch irgendwann alles mit Verlust zu verkaufen?". Daher möchte ich nun ein paar Gedanken bzw. Tipps mit euch teilen:

Tipps und Tricks um auch beim nächsten Börsencrash cool zu bleiben


Investiert in "Dividendenzahler":

Diverse Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass Dividendenaktien durchschnittlich eine geringere Volatilität aufweisen, langfristig besser abschneiden als Nicht-Dividenden-Zahler und geduldigere Aktionäre haben (was sich ebenfalls stabilisierend auf den Aktienkurs auswirkt ). Gerade der letzte Punkt ist für uns interessant. Man sollte den positiven psychologischen Effekt von regelmäßigen Dividendenauszahlungen nicht unterschätzen. Hier verhält es sich ähnlich wie bei einer vermieteten Immobilie. Hier checkt ihr ja auch nicht jede Woche, wieviel ihr beim Verkauf erzielen würdet. Wichtiger ist für euch, dass ihr jeden Monat die Miete einkassieren könnt. ( >Vorteile von Dividendenausschüttungen sind offensichtlich< ).

Investiert nur innerhalb eurer Komfortzone: 

Es wird verdammt schwierig euer Geld über Jahre oder Jahrzehnte an der Börse anzulegen bzw. "liegen zu lassen" wenn ihr jeden Morgen schweißgebadet aufwacht, aus Angst vor einem Kurseinbruch. Daher ist es sehr wichtig, dass ihr nur den Teil von eurem Kapital investiert, von dem ihr euch mental problemlos "trennen" könnt. Wenn ihr sagen könnt "wenn das Geld weg ist, kann ich damit gut Leben", dann seid ihr innerhalb eurer Komfortzone. Wie hoch dieser Anteil ist, muss natürlich jeder selbst für sich entscheiden. Bei einem Vermögen von z.B. 30.000,00€ können das 5.000,00€ oder 10.000,00€ oder sogar 15.000,00€ sein. Ihr müsst euch nur ganz ehrlich die Frage "mit welchen Verlust könnte ich ohne Probleme leben" beantworten. Kleiner Nebenffekt: Wenn es wirklich zum Börsencrash kommt, habt ihr noch genug "Cash" zum Nachinvestieren zu günstigen Kursen :-)

Automatisiert eure Investitionen (mit monatlichen Sparplänen):

Kennt ihr diese Situation? Ihr habt euch eine Aktie oder einen ETF zum Investieren ausgesucht und wartet auf einen günstigen Einstiegspunkt (also darauf, dass der Kurs runtergeht). Allerdings steigt der Kurs immer weiter und ihr werdet immer nervöser. Irgendwann haltet ihr es nicht mehr aus und drückt den "Kaufen-Knopf". Kurz nach dem Kauf seht ihr mit an wie der Kurs munter runterpurzelt und ärgert euch schwarz: "Hätte ich nur noch ein bisschen gewartet...". Ganz ehrlich, auf diesen Stress hatte ich irgendwann keine Lust mehr. Seitdem ich mit automatischen Sparplänen arbeite, muss ich mich mit sowas auch nicht mehr rumschlagen. Der Computer kauft jeden Monat für mich zu einem festen Betrag ETF-Anteile, egal wie der Kurs steht. Mal ist er höher und mal niedriger. Langfristig profitiere ich auch noch vom >Cost-Average-Effekt<.

Sichert euch gegen fallende Kurse ab:

An der Börse gibt es unterschiedliche Möglichkeiten das eigene Portfolio gegen Verluste abzusichern. Man spricht hier vom sog. "Hedgen" bzw. "Hedging" (was das genau ist könnt ihr in meinem Artikel >Hedgegeschäfte zur Absicherung des Portfolios< nachlesen). Je nachdem wie gut ihr euch auskennt, könnt ihr hier z.B. mit unterschiedlichen Zertifikaten wie Optionen arbeiten. Andere schwören stattdessen auf Gold oder Silber in physischer Form als "Krisenwährung". Alles was euch hilft ruhiger zu schlafen ist gut. Allerdings solltet ihr wissen was ihr tut und auch die Kosten (z.B. bei Zertifikaten) berücksichtigen. 

Zu guter letzt - Zieht eure Strategie durch:

Da ich ein Anhänger der >Dividendenstrategie< bin, war mein erster Tipp für euch in Dividenden-Aktien bzw. Dividenden-ETF's zu investieren. Aber ich will ehrlich mit euch sein. Es gibt mindestens genauso viele Gegner wie Befürworter einer auf Dividenden ausgerichteten Anlagestrategie (bei Google findet ihr unzählige Artikel für die Pro- und Contra-Seite). Dementsprechend gibt es auch unzählige andere Anlagestrategien wie z.B. "Growth" und "Value". Andere setzen nur auf Technikunternehmen oder Pharmaunternehmen usw. Für fast jede Strategie gibt es einen passenden ETF. Für eine Strategie entscheiden müsst ihr euch selbst. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Strategie an sich nicht das entscheidende Erfolgskriterium ist, sondern vielmehr euer Durchhaltevermögen. Wenn ihr euch für eine Anlagestrategie entscheidet und diese konsequent durchzieht, werdet ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Börse langfristig erfolgreich sein.

In diesem Sinne möchte ich diesen Artikel mit einem passenden Zitat von >Sabrina Henn< beenden.

"Es gibt kein Richtig und Falsch. Es gibt nur dich und dein Urteil. Du bist die Wahl und die Konsequenz und diese sind immer wahr, obgleich richtig oder falsch."

Euer Finanzblogger
Philipp

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