Dienstag, 7. März 2017

Die Jagd nach Dividende ist Unsinn (WTF?!?!!!)

Wenn heutzutage ein Thema von den Medien gehyped wird, führt das unweigerlich zur Bildung von zwei Lagern (Befürworter und Gegner). Durch das Internet haben es beide Lager sehr leicht Ihre Ansichten schnell und flächendeckend zu verbreiten. Ein solches Thema sind seit einigen Jahren auch Dividenden(-Aktien). Nicht zuletzt, da diese durch die Niedrigzinsphase für uns Anleger immer attraktiver werden. So hört man immer wieder Sätze wie „Dividenden sind die neuen Zinsen“. Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen mit dem Titel >Die Jagd nach Dividende ist Unsinn< vom Volkswirtschaftler Thorsten Polleit. Warum ich die Argumentation hier nicht ganz ausgereift finde erfahrt ihr in diesem Post.

Ich könnte mich jetzt natürlich ganz pauschal auf die Seite der Befürworter schlagen und behaupten, alles was Herr Polleit hier zum Thema Dividendenaktien schreibt ist Blödsinn. Das wäre allerdings nicht gerade zielführend und würde meinen Lesern (also euch) nicht viel bringen. Fangen wir daher doch einfach mal mit den positiven Aspekten des genannten Artikels an. Womit Herr Polleit z.B. Recht hat ist, dass Dividenden alleine natürlich nicht pauschal als DIE Lösung für alle heutigen Geldanlageprobleme genannt werden können. Dass immer mehr Banken auf den Zug aufspringen um Ihren Kunden (wie immer überteuerte) Fondsprodukte zu verkaufen kotzt mich z.B. regelrecht an…

Der Tag danach...(ex Dividende)

 

Er weist u.a. völlig richtig darauf hin, dass nach dem Tag der Zahlung von Dividenden (genannt >ex-Dividende< der Aktienkurs um den ausgezahlten Betrag sinkt, nachdem er vorher angestiegen ist:

„Eine Aktie handelt bei 100 Euro. Nun kündigt das Unternehmen eine Dividende in Höhe von 4 Euro an. Der Aktienkurs steigt daraufhin auf 104 Euro. Der Anleger kauft zu 104 Euro. Nachdem die Dividende einen Tag nach dem Dividenden-Stichtag gezahlt wird, fällt der Aktienkurs von 104 wieder auf 100 Euro. Der Aktienkäufer hat – lässt man verpasste Gelegenheiten außen vor – nichts verdient.” (Quelle: Thorsten Polleit - Die Jagd nach Dividende ist Unsinn)

Insbesondere den letzten Satz finde ich so pauschal dahingeschmissen von einem sogenannten Wirtschaftsprofi völlig daneben. Obwohl die Erklärung dieser Systematik zwar völlig richtig ist, sugeriert er hier uns Lesern, dass Dividenden deshalb ganz pauschal nichts bringen würden. Gerade als langfristige Passiv-Anleger sollten wir uns allerdings folgendes Beispiel vor Augen führen:

„Eine Aktie handelt bei 90,00 Euro und wir kaufen diese. Während der nächsten Wochen steigt der Kurs auf 100,00 Euro. Nun kündigt das Unternehmen eine Dividende in Höhe von 4 Euro an. Der Aktienkurs steigt daraufhin auf 104 Euro. Nachdem die Dividende einen Tag nach dem Dividenden-Stichtag gezahlt wird, fällt der Aktienkurs von 104 wieder auf 100 Euro. Die ausgezahlte Dividende investieren wir in den Kauf weiterer Aktien zu 100,00 EUR. In den nächsten Wochen steigt der Aktienkurs auf 110,00 Euro…“

Ich denke es wird klar worauf ich hinaus will. In beiden Fällen wird derselbe Effekt beschrieben. Im ersten Beispiel wird das Ganze aber eher negativ ausgelegt. Während es in meinem Beispiel für uns Anleger deutlich positiver aussieht oder? Soweit so gut. Schauen wir uns noch einen weiteren Aspekt des Artikels an.

Doppelte Besteuerung durch Dividenden?

 

Und zwar wird hier der Aspekt der „Doppelbesteuerung“ bei Dividendenzahlungen angesprochen. Denn die Dividenden werden ja schließlich aus Unternehmensgewinnen gezahlt auf welche das Unternehmen Steuern zahlen musste. Bei der Dividendenausschüttung fallen für uns als Anleger dann nochmal 25% Abgeltungssteuer an. Deshalb wird hier behauptet, dass der Anleger dadurch schlechter dasteht als wenn das Unternehmen die Gewinne einbehalten und reinvestiert hätte.

Ist das wirklich so? Ich glaube, um das beurteilen zu können muss man im Vorhinein klären was das genaue Ziel des einzelnen Anlegers ist. Ist das Ziel so schnell wie möglich die Anteile wieder mit Gewinnen zu verkaufen kann es tatsächlich besser sein auf Dividendenaktien zu verzichten. Denn insbesondere sogenannten >Wachstumsaktien< zeichnen sich oft dadurch aus, das Gewinne fast vollständig vom Unternehmen reinvestiert werden oder die Dividendenrenditen sehr gering sind.

Passives Einkommen mit Dividendenaristokraten

 

Hat man hingegen das Ziel seine Anteile nie wieder zu verkaufen und irgendwann ein echtes passives Einkommen zu generieren, ist es meiner Meinung nach unverzichtbar auf >Dividendenaristokraten< zu setzen. Was man z.B. berücksichtigen sollte ist, dass Dividenden fast immer pro Aktie gezahlt werden (z.B. 0,54€ pro Aktie). Umso mehr Anteile bzw. Aktien in eurem Besitz sind desto mehr Dividende wird euch also ausgeschüttet. Reinvestiert ihr die ausgeschütteten Dividenden über einen langen Zeitraum (von 10 oder 20 Jahren) macht das meiner Meinung nach den dargestellten negativen Effekt der Doppelbesteuerung mehr als wett. Da ihr immer mehr Aktienanteile besitzt steigt die an euch gezahlte Dividende  immer weiter an. Hierdurch könnt ihr wieder mehr Anteile kaufen wodurch eure Dividende wieder steigt und so weiter und so fort…

Diesen Effekt beschreibt übrigens der Finanzautor Jeremy Siegel sehr schön in seinem Buch „Überlegen investieren“:



Alles in allem muss (wie so oft im Leben) jeder für sich selbst entscheiden welche Strategie die richtige ist. Es macht aber genauso wenig Sinn stupide einem Trend nachzulaufen wie etwas grundsätzlich zu verteufeln nur weil es gerade total gehyped wird.

Für mich persönlich steht jedenfalls fest, dass eine passive Dividendenstrategie genau richtig ist um langfristig ein Vermögen aufzubauen und einen passiven Einkommensstrom zu generieren.


Euer Finanzblogger
Philipp

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