Dienstag, 24. Januar 2017

Sind Dividenden wirklich so wichtig?

„Wissen Sie was mir als Einziges wirkliche Freude bereitet? Zu sehen wie regelmäßig Dividenden auf mein Konto fließen“ hat kein geringerer als der Multimilliardär und Öl-Tycoon >John D. Rockefeller< gesagt. Dennoch mag man sich als Investor an der Börse heutzutage fragen, ob es wirklich noch die beste Strategie ist „einfach“ passiv in Dividenden-Aktien bzw. Dividenden-ETF’s zu investieren. Schließlich gibt es mittlerweile tausende von ETF‘s mit denen man nicht nur klassische Indizes sondern auch bestimmte Strategien abbilden kann. Von sog. Growth- und Value-ETF‘s bis hin zu den noch sehr jungen >Smart-Beta-ETF’s<. Es gibt so gut wie keine Nische mehr, in die man nicht investieren könnte. In diesem Artikel schauen wir uns daher an, wie sinnvoll es (noch) ist auf eine langfristige Dividendenstrategie zu setzen.

Ihr könnt in tausende Indizes und Branchen über ETF's investieren


Hättet ihr in 2016 z.B. euer Geld in einen breit gestreuten ETF auf den >MSCI Brasil< gesteckt, wäre das Jahr für euch mit einem dicken Plus von rund 70,43% ausgegangen (s. >Die besten 50 Indizes für ETFs in 2016<). Mein bester ETF in 2016 hat mir gerade mal ein Wachstum um die 10% (OHNE ausgeschüttete Dividenden) beschert. Da könnte man fast behaupten, dass ich auf das falsche Pferd gesetzt habe oder? Kurzfristig gesehen, könnte ich dem auch nichts entgegensetzen. Aber langfristig gesehen, kann es mir auch egal sein, ob es in einem Jahr mit einen speziellen Index bzw. ETF möglich gewesen wär krasse Gewinne zu machen. Denn hinterher ist man immer schlauer...oder wisst ihr welcher Index bzw. ETF dieses Jahr die absolute Outperformance bringt?

Das Schöne an einer klassischen Dividendendenstrategie ist ja, dass man hauptsächlich auf sog. >Dividendenaristokraten< setzt. Das sind meist Unternehmen und Konzerne mit einer jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte in ihrem Bereich. Das Risiko, dass solche Unternehmen von heute auf morgen bankrottgehen oder die Dividendenausschüttungen komplett streichen ist sehr gering. Außerdem finden wir die meisten Aristokraten in sehr bodenständigen Branchen wie dem Konsumgüterbereich (z.B. Procter & Gamble, Johnson & Johnson), Versorger (Strom, Wasser etc.) oder auch Pharmaindustrie (Johnson & Johnson ist auch im Pharmabereich tätig). Natürlich sind extreme Wachstumsphasen, wie wir sie heutzutage u.a. aus dem Technologiebereich kennen (z.B. Apple und Google), hier auch nicht mehr zu erwarten.

Wie verdient man eigentlich Geld an der Börse?


Und hier finden wir schon die „Krux“ an der Geschichte, wenn es um die Wahl der richtigen Strategie an der Börse geht. Zusammenfassend kann man nämlich sagen, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gibt mit Aktien Geld zu verdienen:

1. Man kauft Anteile zu einem bestimmten (niedrigen) Preis und verkauft sie wieder zu einem höheren Preis

2. Man erhält ein passives Einkommen vom Unternehmen in Form von Dividendenausschüttungen solange man in Besitz der Aktien ist.

Wenn man Strategie 1. verfolgt kann man als. „Trader“ innerhalb von Wochen, Tagen oder Stunden (im Hochfrequenzhandel sogar innerhalb von Sekunden) theoretisch Gewinne an der Börse generieren. Ein wichtiger Begriff ist hierbei das sog. >Market-Timing<. Unzählige (wissenschaftliche) Studien zeigen allerdings, dass es nur sehr wenige Menschen schaffen konstant über Jahrzehnte als Trader Gewinne zu realisieren. Die allermeisten gewinnen Mal und verlieren Mal. So bleibt langfristig oft nur eine schwarze Null stehen (wenn überhaupt). Mal ganz abgesehen von der Zeit die man als aktiver Trader vor dem Bildschirm verbringen muss. Würde man das noch mit einrechnen hätten viele wohl eine stark negative Bilanz vorzuweisen. In Zeiten von Facebook, Twitter und Co. versucht sich jeder nach Außen nur in dem besten Licht zu präsentieren. So werden natürlich nur erfolgreiche Trades gepostet, was ein völlig verzehrtes Bild ergibt. Oder habt ihr schonmal in einer Facebook-Gruppe so etwas gelesen wie „Aktie XY letzte Woche gekauft und diese Woche mit -15% wieder verkauft. Schon der dritte Verlusttrade diesen Monat…“? Denkt Mal drüber nach….

Bleibt also noch die Alternative als Buy-And-Hold-Investor einfach langfristig Geld in Aktien anzulegen und 10 oder 20 Jahre erstmal nix weiter zu tun. Entscheidend ist jetzt noch die Frage warum es Sinn macht auf dem Weg zur finanziellen Freiheit auf Dividendentitel zu setzen. Hierbei gibt es einen ultrawichtigen Faktor, denn viele leider total vergessen. Und zwar das Reinvestieren von Dividenden (s. >Zinseszins<). Warum langfristig gesehen reinvestierte Dividenden so wichtig sind möchte ich euch anhand einer Arbeit von James Montier zeigen (>A Man from a Different Time<)

In diesem Artikel verdeutlich James Montier, dass umso länger der Anlagehorizont ist desto wichtiger Dividenden werden. Bei einer Anlagedauer von nur einem Jahr machen die reinen Kursänderungen einer Aktie rund 60% eurer Performance bzw. Rendite aus. Betrachten wir stattdessen einen Anlagezeitraum von rund 5 Jahren, machen reinvestierte Dividenden schon ca. 80%!!! der Performance aus.

Das folgende Bild macht das Ganze auch grafisch sichtbar:


Quelle: James Montier - GMO

Langfristig ist das Reinvestieren von Dividenden eine echter Rendite-Booster


Betrachtet man z.B. die reine Performance des britischen >FTSE Index< über einen Zeitraum von etwa 12 Jahren (2000 bis 2012) kann man einen Gewinn von ungefähr 0% verbuchen (extreme Seitwärtsphase). Berücksichtigt man die ausgezahlten Dividenden kann hingegen ein Gewinn von ca. 65% verbucht werden. Das alleine ist schon eine starke Aussage oder?


Entwicklung FTSE 100 Index von 1985 bis heute

Berücksichtigt man alle genannten Faktoren erscheint es gar nicht mehr so blöd auch heute noch einfach langfristig passiv auf Dividenden-Aktien bzw. Dividenden-ETF’s zu setzen oder? Natürlich sollte man Faktoren wie eine ausreichende >Diversifikation< nicht vergessen. Dennoch ist das meiner Meinung nach eine der einfachsten Methoden um langfristig ein kleines Vermögen aufzubauen und ein echtes passives Einkommen zu generieren.

Ich wünsche euch viel Erfolg
Euer Finanzblogger Philipp.

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