Montag, 19. Dezember 2016

Warum alle den Zinseszins total überschätzen

Wenn man sich mit dem Thema Geldanlage, Reichtum und Passives Einkommen beschäftigt wird man unweigerlich mit den Themen Zinseszins und exponentielles Wachstum konfrontiert. Auch ich habe schon in einigen Artikeln darauf hingewiesen, dass der Zinseszins langfristig zu einem großen Vermögen führen kann. Es gibt kaum Finanzblogs die nicht propagieren, dass man den Zinseszins-Effekt (=exponentielles Wachstum) für sich arbeiten lassen muss. In diesem Post erkläre ich euch, warum der Zinseszins meiner Meinung nach dennoch überschätzt wird und welche Auswege es aus der Misere für uns Investoren gibt.

Schauen wir uns die Zinseszinskurve grafisch an wird das Ausmaß des sog. exponentiellen Wachstums deutlich. Umso größer der Faktor Zeit wird (wir uns also auf der X-Achse nach rechts bewegen) desto steiler wird die Kurve. Am Ende verläuft die Kurve sogar parallel zur Y-Achse, sodass man quasi von einem unendlich schnellen Wachstum sprechen kann:

Quelle: www.finanzenundvorsorge.de

Vor diesem Hintergrund kann man auch verstehen, dass sogar Albert Einstein den Zinseszins als das „Achte Weltwunder“ bezeichnet hat. Was die Meisten nicht wissen ist, dass er gar keine Ahnung von Finanzen hatte. Seine Leidenschaft war das Universum. Und im Universum erscheinen und verschwinden Sachen nicht einfach so.  Aus seiner Sicht als Physiker muss es demnach tatsächlich ein Wunder gewesen sein, dass man beim Zinseszins quasi für das Nichtstun etwas bekommt. (>Biographie von A. Einstein<). Was er allerdings verstanden hatte ist, dass man entweder Zinsen erhält oder die Zinsen anderer bezahlt. Hierauf bin ich bereits in meinem Artikel >Warum „Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten“ Blödsinn ist< eingegangen.

Die Aussicht durch Nichtstun ein Vermögen anzuhäufen ist auch der Grund, weshalb die Meisten den Zinseszins total überschätzen.

Um ausschließlich durch Zinseszins reich zu werden braucht es VIEL Zeit


Ich lese gerade ein sehr interessantes Buch von dem Autor Andreas Eschbach, das ich euch wärmstens empfehlen kann, wenn ihr auf unterhaltsame Weise ein besseres Verständnis für unser Finanzsystem erhalten wollt. Das Buch heißt >Eine Billion Dollar<.

Der 28-jährige Protagonist bekommt so ziemlich gar nichts in seinem Leben auf die Reihe und ist dauerpleite. Bis eines Tages ein paar ein paar Anwälte vor seiner Tür stehen und ihm erklären, dass einer seiner Vorfahren vor langer Zeit Geld angelegt hat und er das gesamte Vermögen jetzt erben soll. Dabei geht es nicht weniger als um ein Billion Dollar. So wird er von jetzt auf gleich zum reichsten Menschen der Welt.

Wirklich interessant sind hierbei die Fakten, wie dieses unglaubliche Vermögen entstanden ist. Ihr denkt jetzt vielleicht, er habe von einem Großvater oder Urgroßvater das Geld geerbt oder? Das stimmt nicht ganz. Konkret hat einer seiner Vorfahren vor genau 500 Jahren eine Summe von heute umgerechnet 10.00,00USD angelegt. Die Verzinsung lag die gesamte Zeit im Durchschnitt bei rund 4% jährlich.

Ist euch was aufgefallen? Es hat ganze 500!!!! Jahre gedauert, bis das Geld auf diese unglaubliche Summe angewachsen ist! Da die durchschnittliche Lebenserwartung bei ungefähr 90 Jahren liegt und viele erst mit ca. 30 Anfangen ernsthaft Geld zu sparen bzw. anzulegen, wird wohl keiner von uns dasselbe erreichen können (zumindest nicht zu Lebzeiten). Das ist nämlich das Gemeine an der Zinseszinskurve. Die ersten Jahrzehnte ist sie relativ flach. Erst mit den Jahren wird sie immer steiler und steiler.

Exponentielles Wachstum braucht vor allem Zeit

Gibt es denn keine „Abkürzung“ fragt ihr euch jetzt vielleicht. Und ja, die gibt es. Ich denke allerdings, euch werden die Antworten hierauf nicht gefallen.

Umso höher die Verzinsung, desto schneller werdet ihr reich


Eine Variante um schneller an euer Ziel von finanzieller Freiheit zu kommen ist einfach eine Geldanlage mit höherer Verzinsung.

Wenn ihr z.B. eine Verzinsung von 10% bekommen würdet, würde sich euer Kapital ungefähr alle 7 Jahre verdoppeln.

Blöderweise ist es heutzutage schwierig eine „sichere“ Geldanlage zu finden, bei der man mindestens 2% jährlich erhält. Bei dieser Verzinsung verdoppelt sich euer Kapital erst alles 35! Jahre.

Und das ist, wie bereits erwähnt, gerade mal die Zeit welche den Meisten bleibt bis sie in Rente gehen (oder das zumindest vorhaben).

Und seien wir mal ehrlich, 10% Zinsen gab es für uns „Otto-Normal-Anleger“ noch nicht mal vor der Niedrigzinsphase…

Umso größer das Startkapital ist, desto weniger Zeit braucht der Zinseszins


Eine weitere Möglichkeit um schneller vom Zinseszins zu profitieren ist ein deutlich höheres Startkapital anzulegen.

Wenn ihr z.B. 20.000,00€ bei einer jährlichen Verzinsung von 2% anlegt, habt ihr mit Zinseszins nach 10 Jahren eine Summe von 24.424,00€. Ihr habt also in 10 Jahren rund 4.424,00€ verdient (und das vor Abzug von Steuern und der Inflation!). Nicht gerade berauschend oder?

Spielen wir das ganze Mal mit einem Startkapital von 200.000,00€ durch sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Wir liegen dann bei einem Endergebnis von 244.240,00€. Also beachtliche 44.240,00€ Rendite! Das ist zwar schon ganz beachtlich, aber zur Ruhe setzen kann man sich damit auch noch nicht. Und wer hat mit Mitte 20 schon 200.000,00€ Anlagekapital rumliegen?

Die negative Wirkung von Steuern und Inflation dürfen wir auch nicht vergessen


Zu allem Überfluss müssen wir auch noch über die gesamte Anlagedauer Steuern an das Finanzamt abdrücken (in Deutschland gibt es eine sog. Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge von pauschal 25%). Und die Inflation verringert unsere Erträge nochmals.

Im Beispiel von eben bleibt von den rund 44.000,00€ dann auch nicht mehr so viel übrig…

Sollen wir jetzt etwa aufhören mit dem Sparen oder gibt es eine Lösung für unser Problem?


Nach den Ausführungen von eben könnte man ja meinen, dass wir Otto-Normal-Bürger das Sparen und Anlegen direkt sein lassen können, weil es ohnehin nichts bringt. Das ist keineswegs der Fall. Man muss nur wissen wie und wo man sein Geld anlegen sollte.

Und die Antwort ist ganz eindeutig: Am Aktienmarkt. Denn langfristig schlagen Aktien alle anderen Anlageprodukte (auch wenn es zwischendurch natürlich immer wieder Schwächephasen gab und geben wird). Daher ist eine der effektivsten Strategien das klassische Buy-And-Hold-Investieren, welches auch von Börsengurus wie Warren Buffet betrieben wird.

Natürlich gibt es unzählige Strategien und dazu passende ETF’s (z.B. Value-Strategien, Growth-Strategien etc.). Wenn Ihr meinen Blog schon kennt wisst ihr, dass ich auf Dividenden-ETF’s setze. Während der Ansparphase reinvestiere ich die ausgezahlten Dividenden, um dann irgendwann nicht nur ein beachtliches Vermögen aufgebaut zu haben sondern, um auch noch ein passives Einkommen daraus zu generieren.

Warum das Reinvestieren von Dividenden über einen langen Zeitraum so effektiv ist zeigt euch diese Grafik. Hier seht Ihr die Entwicklung vom S&P500 seit 1950 ohne Dividenden und inklusive reinvestierten Dividenden im Vergleich.


Quelle: Twitter Morgan Housel

Natürlich zeigt sich auch hier, dass der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle spielt. Umso weiter wir auf der Zeitachse nach Rechts gehen, desto größer wird der Unterschied zwischen beiden Linien.

Klar ist auch, dass das „Endergebnis“ davon abhängt wie hoch euer Startkapital ist und wie viel Zeit zum Aktiensparen ihr noch habt. Aber eines kann ich euch versprechen. Wenn ihr zwischen 20 und 30 seid und jetzt mit dem Aktiensparen anfangt (auch ohne jedes Startkapital), werdet ihr im Alter zwischen 50 – 60 Jahren eine Summe zusammen haben die ihr euch heute noch gar nicht vorstellen könnt.

Und dank passiver Indexfonds (ETF’s) müsst ihr nicht mal Börsenprofis sein und Unternehmenszahlen auswerten. Die Schwierigkeit wird viel eher darin liegen die nächsten 20 bis 30 Jahre eure Investments nicht zu verkaufen.

Ich habe mich bereits auf diese spannenden Reise gemacht und ihr könnt hier im Blog verfolgen wie es läuft. Und ganz ehrlich, ich erhoffe für mich persönlich, dass dieser Blog eine zusätzliche Motivation sein wird meine Pläne auch wirklich die nächsten 20 bis 30 Jahre durchzuziehen.

Viel Erfolg!

Euer Finanzblogger
Philipp!

Beliebte Posts

Achtung!
Beim Handel mit Wertpapieren jeglicher Art besteht immer das Risiko vom Teilverlust bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Der Handel an der Börse erfolgt daher ausschließlich auf eigene Gefahr.

Hier gehts zu den rechtlichen Hinweisen