Dienstag, 29. November 2016

Warum "Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten" Blödsinn ist

Hat schon mal jemand zu euch gesagt, dass ihr euer Geld für euch arbeiten lassen müsst? Höchstwahrscheinlich war es sogar ein Banker, der euch das sagte. Das alleine beweist mal wieder, dass die meisten sogenannten „Bankberater“ selber keine Ahnung von unserem Geldsystem haben. Aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Ich werde euch erklären, warum euer Geld nicht für euch arbeiten kann und warum es trotzdem wichtig ist euer Geld zu investieren wenn ihr finanzielle Freiheit erreichen möchtet.

Zuerst müssen wir aber erst verstehen, wie Geld überhaupt entsteht. Dafür sollten wir uns den Prozess der >Geldschöpfung< genauer ansehen. Mittlerweile hat jeder schon von der EZB (=Europäische Zentralbank) gehört. Zentralbanken gibt es übrigens weltweit. Die Zentralbank in den USA ist z.B. die FED. In den meisten Ländern, wie z.B. hier bei uns in Europa, dürfen nur die Zentralbanken Geldscheine drucken und Münzen prägen. Außerdem kann man die Zentralbanken auch als Banken der Banken bezeichnen. Und obwohl das in dem Medien oft so rüber kommt, wird der Großteil des Geldes heutzutage nicht erschaffen indem Druckerpressen angeschmissen werden. Hauptsächlich entsteht Geld durch Kreditvergabe ausschließlich digital. Und die Banken bekommen Geld bzw. Kredite eben bei der Zentralbank. (Wusstet ihr, dass die Bankleitzahl eurer Bank deren Kontonummer bei der Zentralbank ist?)

Und genau diesen Schritt der „Geldschaffung aus dem Nichts“ muss man verstehen. Dann ist es gar nicht mehr so verwunderlich, dass es gar nicht die EZB sondern die „normalen“ Banken sind,  die einen Großteil unseres Geldes erschaffen. Außerdem muss euch die Definition des Geldes klar werden. Bei Geld denken die Meisten nur an Scheine und Münzen. Das ist aber nur ein kleiner Teil. Der Großteil des Geldes auf unserer Welt existiert nämlich nur in Form von Zahlen auf irgendwelchen Servern. Dieses elektronische Geld bezeichnet man in der Volkswirtschaft als sog. „Sichteinlagen“. Deshalb haben die Banken auch immer solche Angst vor einem „Bankrun“. Wenn sehr viele Menschen gleichzeitig versuchen würden ihr gesamtes Geld abzuheben, wäre das gar nicht möglich. (Exkurs: Die Geschichte zeigt übrigens, dass bspw. ein Währungsschnitt immer am Wochenende durchgeführt wird, wenn die Banken geschlossen sind. Und in den Automaten ist nicht ansatzweise genug Geld für alle drinnen. Das haben wir ja auch in Griechenland gesehen).

Dieses elektronische Geld ist es auch, das überwiegend von den Banken geschaffen wird. Aber wie machen die das? Ganz einfach durch Kreditvergabe. Bei der Vergabe von Krediten haben die Banken zwei Möglichkeiten. Wenn Unternehmen und Privatleute bei einer Bank Geld anlegen (z.B. auf einem Sparbuch), dann bekommen sie hierfür Zinsen. Die Bank vergibt mit diesem Geld wieder neue Kredite zu höheren Zinssätzen. Die Differenz ist dann der Gewinn der Bank. Durch die anhaltende Niedrigzinspolitik gerät dieses Geschäftsmodell allerdings immer mehr ins Wanken.

Zum „Glück“ haben die Banken noch eine andere Möglichkeit bei der sie nicht einmal die Spareinlagen von anderen Bankkunden brauchen.  Sie schaffen Geld aus dem Nichts indem sie einfach eine Forderung in ihrer Bilanz buchen. Sie müssen zwar im Gegenzug Geld bei der Zentralbank deponieren, diese Mindestreserve beträgt aber nur einen Prozent. Bei einem vergebenen Kredit von 10.000,00€ sind das gerade mal 100,00€. Andersherum könnte man auch sagen, dass die Bank nur 100,00€ investieren muss um 10.000,00€ zu erschaffen.

Jetzt wisst ihr also, wie Geld in die Welt kommt. Und obwohl Banken Geld wie mit Magie aus dem Nichts schaffen, müssen wir unser Geld anlegen bzw. investieren. Dennoch heißt es immer wieder, man solle sein Geld für sich arbeiten lassen. Hierzu habe ich eine Frage an euch.  Habt ihr schon mal einen 500€-Schein gesehen, der nachts Taxi fährt damit der Besitzer Zinsen auf sein Konto bekommt? Oder legt Mal zwei 100€-Scheine über Nacht zusammen ins Bett. Am nächsten Tag werden es immer noch nur zwei Scheine sein. In den folgenden Abschnitten möchte ich euch deshalb erklären warum die Aussage „Lass dein Geld für dich arbeiten“ auf der einen Seite Blödsinn ist und wo dennoch ein Fünckchen Wahrheit drin steckt.

Wenn der nette Banker von nebenan zu euch sagt „Sie müssen Ihr Geld für sich arbeiten lassen“ will er euch meistens irgendeine Geldanlage verkaufen. Die anfallenden Zinsen sind dann eine Form Passives Einkommen. Aber habt ihr euren tollen Bankberater mal gefragt wo denn die Zinsen (oder auch Dividenden) herkommen? Dazu wird fast nie ein Wort verloren.

Auch wenn Banksparbücher wegen der anhaltenden Niedrigzinspolitik nicht mehr ganz aktuell sind ist das die einfachste Variante um zu erklären, wo denn nun das zusätzliche Geld herkommt. Weiter oben habe ich ja bereits die ursprüngliche Art der Geldschöpfung bei Banken erläutert. Geld einsammeln bei Bankkunden (z.B. über Sparbücher) und die Kreditvergabe dieser Gelder an andere Kunden zu einem höheren Zinssatz. Ein Teil der Einnahmen wird an die ursprünglichen Geldgeber weitergegeben und die Differenz ist der Gewinn der Bank. An dieser Stelle finden wir auch die Antwort auf unsere Frage. Denn die Zinsen der Geldanleger bezahlen letztendlich die Kreditnehmer. Das sind alle Unternehmen und Privatpersonen, die Kredite bei der Bank aufnehmen.

Daher sollte es nicht heißen „Lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten“ sondern „Lassen Sie andere für sich arbeiten“. Und ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass es keine Geldanlage gibt wo dies nicht der Fall ist. Schauen wir uns z.B. Dividendenzahlungen bei Aktien an. Diese müssen erstmal durch das entsprechende Unternehmen erwirtschaftet werden. Und letztendlich sind es die Angestellten, die den Gewinn für ihr Unternehmen generieren. Denn ohne die Arbeitskraft der Arbeitnehmer könnten die Unternehmen weder etwas produzieren noch verkaufen.

Gerade wenn man nach „Geld verdienen im Internet“ sucht findet man unzählige Angebote wo man angeblich ganz einfach ein passives Einkommen generieren kann, indem man einen bestimmten Betrag investiert. Hierzu möchte ich eines klarstellen. Hierbei handelt es sich fast immer um sog. >Schneeballsysteme< oder >Ponzi-Systeme<. Diese leben davon, dass immer wieder neue Teilnehmer Geld in das System bringen mit dem die bereits vorhandenen „Anleger“ bezahlt werden. Das Ende ist immer der Zusammenbruch eines solchen Systems. Deshalb gibt es ja auch ständig neue „Wundersysteme“ die euch ganz leicht und schnell zum Millionär machen sollen… (ich lache mich tot!).

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich es moralisch verwerflich finde ein Investor zu sein. Sonst würde ich mein Geld nicht an der Börse anlegen. Ich möchte hier nur deutlich machen, dass es letztendlich Menschen sind durch die Zinsen, Dividenden etc. generiert werden. Geld vermehrt sich nunmal nicht einfach so von alleine (außer ihr seid eine Bank). Umso wichtiger ist es also auch zu verstehen, dass man sein Geld in das >Produktivkapital< dieser Welt investieren muss wenn man wirklich finanziell frei werden will.

Jetzt müsst ihr euch nur noch entscheiden: Wollt ihr weiter für andere ihre Zins- und Dividendenerträge erwirtschaften oder werdet ihr selber zum Investor und generiert so irgendwann euer eigenes passives Einkommen?

Ich habe meine Entscheidung schon getroffen.

Euer Finanzblogger
Philipp


Lass dein Geld für dich arbeiten?

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