Freitag, 4. November 2016

Warum Investoren "Cash" total unterschätzen

Was waren das für geile Zeiten, als man auf dem Tagesgeldkonto noch 4% Zinsen p.a. bekommen hat. Und noch dazu hatte man einen taggleichen Zugriff auf das Geld! Mit „konventionellen“ Anlagemöglichkeiten kommt man an die 4% heute nicht mehr ran, sogar wenn man sein Geld für mehrere Jahre fest anlegt. Schaut man sich im Aktienmarkt um sind allerdings immer noch vergleichsweise ansehnliche Renditen möglich (z.B. in Form von Dividendenzahlungen oder Kursgewinnen). Doch gerade wenn man langfristig an der Börse investiert, unterschätzt man leicht wie wichtig es ist immer einen gewissen Anteil an Cash auf dem Konto zu haben.

Finanzielle Freiheit und Passives Einkommen an der Börse leicht gemacht


Das Rezept für den langfristigen Vermögensaufbau an der Börse ist relativ einfach und für fast jeden machbar. Man nehme einen international breit gestreuten ETF (wenn man es wie ich machen will setzt man vornehmlich auf Dividenden-ETF’s die durch die regelmäßige Ausschüttungen auch noch ein passives Einkommen generieren) und richte sich einen monatlichen Sparplan ein. Je nach Sparquote hat man bereits nach 10 – 20 Jahren ein ansehnliches Vermögen aufgebaut (die meisten unterschätzen insbesondere den Zinseszinseffekt) und erhält eventuell auch noch regelmäßige Dividendenzahlungen. Also im Grunde genommen eine klassische Buy-And-Hold-Strategie bei der man wegen der monatlichen Sparpläne auch noch vom Cost-Average-Effect profitiert.

Hört sich also erstmal ziemlich leicht an oder? Wenn man aber jetzt einfach losrennt und die gesamten monatlichen Ersparnisse in ETF-Sparpläne reindonnert ist die Gefahr groß, dass man in (finanzielle) Schwierigkeiten gerät. Denn was bei diesem Ansatz fehlt ist die Basis. Wenn ihr ein Haus baut, errichtet ihr ja auch als erstes das Fundament und setzt darauf dann das Gebäude. Ohne ein stabiles Fundament wird das Gebäude oben drauf wahrscheinlich nicht lange halten richtig? Wahrscheinlich fragt ihr euch jetzt, wie ihr das als Investoren nun umsetzen sollt.

Erst die Basis und dann kommt der Vermögensaufbau


Als Investor eine stabile Basis bzw. ein Fundament zu besitzen bedeutet für mich, eine bestimmte Summe Geld auf einem separaten (Tagesgeld-)Konto zu haben, auf das man jederzeit zugreifen kann. Wieviel das sein muss, kann man so pauschal nicht sagen. Das hängt von jedem individuell ab. Wieviel verdient derjenige, welche monatlichen Ausgaben und Kosten hat er oder sie usw.? Oft liest man, dass man mindestens 3 Monatsgehälter auf der hohen Kante haben sollte. Und eure Investments an der Börse zählen nicht dazu. Ich persönlich bin sogar der Meinung, dass es mindestens 6 Monatsgehälter sein sollten. Wenn ihr an das Geld dran MÜSST (einen Urlaub solltet ihr hiervon z.B. nicht bezahlen) und unter das Minimum von 3 oder 6 Monatsgehältern rutscht, dann investiert ihr nix mehr und spart so lange, bis ihr wieder die ursprüngliche Summe auf dem separaten Konto habt.

Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich wozu das Ganze gut sein soll. Den meisten ist einfach nicht bewusst was es wirklich heißt ein Buy-And-Hold-Investor zu sein. Wenn ihr euch dafür entscheidet eine Qualitäts-Aktie oder einen ETF zu kaufen, dann verkauft ihr diese NIE, NIE und NIEMALS NIE wieder. Wenn die Kurse einbrechen bleibt ihr dabei und im besten Fall kauft ihr sogar noch mehr nach. Natürlich besteht bei Einzelaktien immer die Gefahr, dass ein Unternehmen auch pleitegehen kann. Dann verfallen im schlimmsten Fall eure Aktien wertlos. Daher sollte man auf Aktien setzen bei denen das Risiko für eine Pleite eher gering ist. Oder eben direkt auf passive Indexfonds mit einem ganzen Korb an Aktien. Hierdurch wird das Risiko nochmals deutlich verringert.

Und jetzt verrate ich euch auch noch, was das Ganze mit eurem separaten Cash-Konto zu tun hat. Dieses extra Konto versetzt euch nämlich erst in die Lage eure Investments an der Börse nie wieder verkaufen zu müssen. Denn seine Positionen verkaufen zu müssen hat schon so manchem Investor das Genick gebrochen. Gemäß „Murphys Law“ tritt der Fall nämlich genau dann ein, wenn die Kurse gerade kräftig gefallen sind und man auf dicken Papierverlusten sitzt. Müsste man an das Geld nicht ran, könnte man sich über günstige Einkaufskurse freuen. Ist man gezwungen jetzt zu verkaufen (wenn z.B. im Depot in dicken roten Zahlen „-20%“ steht) kann das zu einem echten Alptraum werden. Als Dividendeninvestor schmerzt es sogar noch mehr, da man dann auch keine Dividendenausschüttungen mehr erhält.

Geld ausgeben zu MÜSSEN passiert schneller als Gedacht


Das Risiko ist größer als der Ein oder Andere jetzt denkt. Das fängt schon an bei ganz einfachen Dingen. Es kann z.B. jederzeit passieren, dass euer Kühlschrank, euer Ofen oder eure Waschmaschine kaputt gehen. Meistens passiert das kurz nachdem die Garantie abgelaufen ist. Und bei den modernen Geräten lohnt sich wegen der Kosten meist eine Reparatur nicht (das ist übrigens von vielen Herstellern auch so gewollt). Da bleibt dann nur noch der Gang zum Elektromarkt. Was auch richtig ins Geld geht ist das eigene Auto. Hier hat man nicht nur die normalen laufenden Kosten wie TÜV, Versicherung, neue Reifen, Bremsen und Ölwechsel (also u.a. die ganz normalen „Verschleißteile“). Wenn etwas Größeres kaputt geht, können direkt mehrere Hundert oder sogar Tausend Euro fällig werden. Im schlimmsten Fall lohnt sich auch hier eine Reparatur nicht mehr. Dann muss ein neues Fahrzeug angeschafft werden. Und das wird in den meisten Fällen richtig teuer. Man will sich ja keine alte „Krücke“ kaufen richtig?

Wenn ihr gerade denkt „dafür kann ich mir doch einen günstigen Online-(Auto-)Kredit aufnehmen“, dann habt ihr die Grundlagen vom Investieren an der Börse noch nicht verstanden (hierfür empfehle ich euch mein kostenloses eBook „Die wichtigsten Regeln für Anleger und Investoren“ zu lesen). Denn das würde bedeuten Konsumschulden zu machen. Und das zu tun ist so ziemliches der größte Fehler wenn man das Ziel hat langfristig finanzielle Freiheit zu erreichen und ein passives Einkommen zu generieren. Konsum und Konsumschulden sind einer der Hauptpunkte weshalb viele Leute ihre finanzielle Situation nie in den Griff bekommen.

Ach ja, wenn ihr zu den absoluten Hardcore Sicherheitsfanatikern gehört, könnt ihr sogar noch einen Schritt weiter gehen. Wenn euer extra Cash-Konto gut gefüllt ist, legt ihr euch als nächstes einfach noch einen „eisernen Vorrat“ mit Sachwerten an. Ganz klassisch eignen sich hierfür am besten Gold- und Silbermünzen. Die müsst ihr natürlich so lagern, dass ihr jederzeit Zugriff darauf habt. Ohne jetzt den Crash-Propheten raushängen lassen zu wollen: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Bankschließfächer konfisziert. Daher würde ich ein Schließfach bei eurer Hausbank nicht gerade empfehlen…..Aber das ist ein anderes Thema ;-)

Euer Finanzblogger
Philipp

Silbertresor - Ihr Edelmetallhändler

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