Sonntag, 23. Oktober 2016

Der Megatrend Wasser

Das Wasser als Urstoff – Ansichten aus der Antike


„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser, denn Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück“

Dieser Satz stammt vom dem berühmten griechischen Philosophen und Mathematiker Thales von Milet (geb. ca. 624 v. Chr.). Seiner Ansicht nach gab es für alles Sein auf der Erde und die Erde selbst einen gemeinsamen Urgrund. Er kam zu dem Schluss, dass es sich bei diesem Urgrund bzw. Urstoff um das Wasser handeln musste. Da er diese Annahme auch auf die Astronomie bezog sah er die Erde als auf Wasser schwimmend an.

Megatrend Wasser Investments

Heute wissen wir, dass zumindest die letzte Annahme nicht stimmt. Meiner Meinung nach lag er allerdings gar nicht so falsch damit, dem Wasser eine nicht kleinere Bedeutung als die Basis allen Lebens auf unserem Planeten zuzuschreiben. Damals war ihm wahrscheinlich aber noch nicht bewusst, dass ungefähr 2500 Jahre später Wasser zu einem geopolitischen Thema und DEM wirtschaftlichen Megatrend der Zukunft werden würde.

Warum Wasser so ein wichtiges Thema wird (bzw. schon ist)


Wenn ihr in Mitteleuropa oder, so wie ich, in Deutschland lebt könnte es sein, dass euch gar nicht bewusst ist von was für einem Riesenthema ich spreche. Denn was die Wasserversorgung angeht, leben wir gerade hier in Deutschland im absoluten Luxus. Für sauberes Trinkwasser müssen wir einfach nur zum nächsten Wasserhahn gehen. Deshalb sollten wir uns erstmal bewusst machen, was so im Rest der Welt abgeht. Aber fangen wir mit ein paar Zahlen und Fakten an.

Unsere Erdoberfläche ist mit 72% Wasser bedeckt. Allerdings sind davon nur 0,3% Trinkwasser. Bereits heute haben ca. 11% der Weltbevölkerung (das sind ca. 850 Millionen Menschen, Tendenz steigend) keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser. Dabei handelt es sich zwar vorwiegend um Entwicklungsländer, aber auch in Industrieländern kennt man das Problem Wasserknappheit. Wenn euch das interessiert googelt z.B. „Wasserknappheit Mallorca, Los Angeles, Australien“. Laut dem >Weltwasserbericht< von 2014 der UNESCO könnte der globale Wasserbedarf in Bezug auf die Entnahme von Wasser bis 2050 um rund 55 Prozent steigen.

Jährlich sterben c.a. 3,5 Millionen Menschen durch unzureichende Wasserversorgung. Als Vergleich: In 2015 sind ca. 30 Tausend Menschen weltweit durch Terroranschläge gestorben. Was ist jetzt die größere Gefahr….? Belastetes und unsauberes Trinkwasser ist weltweit der Hauptgrund für Erkrankungen mit Cholera und Durchfall. Das ist auch kein Wunder, denn Wasser ist nach Sauerstoff die wichtigste Substanz für den menschlichen Körper. Der Wasseranteil in unserem Körper beträgt ca. 70%, in unserem Blut ca. 92%. Man kann in der Regel nicht mehr als 3 Tage ohne Wasser überleben. Ohne Essen sind je nach Konstitution 10 bis 20 Tage möglich. Dazu kommt dann noch die Verschmutzung. Je nach Region geht man davon aus, dass 80% - 90% der Abwässer unbehandelt in Flüsse, Seen und den Ozean gleitet werden.

Wasser ist unverzichtbare Ressource und Rohstoff zugleich


Dass wir Wasser zum Überleben brauchen ist klar. Aber Wasser ist auch für die Industrie und insbesondere für die Landwirtschaft, also letztendlich die Produktion von Nahrungsmitteln, unverzichtbar. Was mich persönlich echt schockierte ist, wie hoch der Verbrauch tatsächlich ist.

Das jährlich entnommene Grundwasser beläuft sich auf 1.000 km³ (=Kubikkilometer). Das sind 1 Billion Kubikmeter (das ist eine 1 mit 12 Nullen: 1.000.000.000.000m³). Davon verbraucht alleine die Landwirtschaft 2/3, also rund 67%. Auf die privaten Haushalte entfallen rund 22% und auf die Industrie ca. 11%. Und das schon fast Perverse dabei ist, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft einen erheblichen Anteil zur Verschmutzung des Grundwassers beiträgt.

Auch die OECD (=Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sieht zukünftig große Herausforderungen in Bereichen wie Wasser-Ressourcen-Management, strategischer und finanzieller Planung der Wasserversorgung und der Wasserverwendung in der Landwirtschaft. >Hier< habe ich euch einen Bericht von der OECD zum Thema Wasser von 2008 rausgesucht. Schon vor 8 Jahren hat man demnach die Wasserversorgung in Zukunft als wachsendes globales Problem gesehen.

Investieren in Wasser – Aber wie?


Habt ihr den Film The Big Short gesehen (falls nicht, schaut ihn euch unbedingt an)? Christian Bale spielt hier den Hedgefundmanager und Metall-Fan >Michael Burry<. Er war einer der ersten der den Crash 2008/2009 durch das Platzen der Immobilienblase hat kommen sehen. Und mit seiner Spekulation auf diesen Crash hat er einen "Arsch" voll Geld verdient. Ratet mal wo er aktuell investiert? Sein aktuelles und wichtigstes Investmentthema ist Wasser (im letzten Abschnitt >dieses Artikels< könnt ihr das nachlesen).

Die Frage die sich nun stellt ist, wie können wir als normale Privatinvestoren auch in den Megatrend Wasser investieren? Da gibt es zum einen das heikle Thema „Privatisierung von Wasserquellen“ und „Bottled Water“. Hier ist z.B. der Konsumgüterkonzern Netslé in der Vergangenheit mit seinem Vorgehen insbesondere in verschiedenen afrikanischen Ländern international in die Kritik geraten. Ob man mit einem Investment in solche Unternehmen am Megatrend Wasser partizipieren möchte, ist natürlich jedem selber überlassen. Ich persönlich möchte das allerdings nicht aktiv unterstützen.

Da die Ressource Wasser aber nunmal knapp ist, gibt es andere Unternehmen die auch auf weniger unmoralische Art und Weise sehr gutes Geld in diesem Bereich verdienen. Denn mit Blick auf die (düstere) Zukunft sind und werden Unternehmen die sich auf Förderung, Filtration, Versorgung, Rückgewinnung, Klärung und Wassermanagement spezialisiert haben immer wichtiger. Nun könnte man sich natürlich entsprechend in diesem Bereich tätige Unternehmen raussuchen und Aktien von diesen Kaufen.

Wasserfonds und Wasser ETF's


Wenn ihr meinen Blog schon länger verfolgt wisst ihr, dass ich am liebsten über passive Indexfonds direkt in einen ganzen Korb an Aktien investiere. Hauptsächlich wegen der >Kosten< und der >Diversifikation<. Glücklicherweise gibt es zwei ETF’s um in den Wassersektor kostengünstig investieren zu können (es gibt natürlich auch ein paar aktiv gemanagte Fonds).

Da haben wir zum einen den synthetischen ETF Lyxor World Water (WKN: LYX0CA) und den vollständig replizierenden iShares Global Water (WKN: A0MSAG), die auch beide Dividenden auszahlen. Zu den größten Positionen gehören hier Unternehmen wie Geberit (Schweiz), American Water Works (USA), United Utilites (UK) und Pentair (Irland). Anbei habe ich euch mal ein Chart rausgesucht wo ihr die Entwicklung der letzten Jahre beider ETF’s im Vergleich zum MSCI World Index sehen könnt.

Lyxor World Water, iShares Global Water, MSCI World

Besonders seit 2015 zeigt der Lyxor World Water eine deutliche Überperformance. Das lässt sich damit erklären, dass die zwei ETF’s nicht denselben Index abbilden. Der Lyxor World Water bildet einen Wasserindex mit nur 20 Unternehmen ab. Der iShares Global Water ETF hingegen bildet einen breiteren Index mit 50 Unternehmen ab. Daher ist er auch immer näher am Marktdurchschnitt (hier dem MSCI World in Gelb). Man sollte hierbei allerdings beachten, dass der Lyxor ETF dadurch auch generell eine höhere Volatilität aufweist. Sollte es also irgendwann mal wieder an den Finanzmärkten bergab gehen, wird der Lyxor World Water höchstwahrscheinlich stärker fallen als der iShares Global Water ETF. Für mich würde das aber nur bedeuten, dass ich mich über günstige Einkaufskurse freuen kann, da ich meine Anteile als langfristiges Investment sehe.

Für mich ist auf jeden Fall klar, dass eine Anlage in die Wasserbranche langfristig gesehen eine der besten Investitionen überhaupt werden könnte. Ob ihr das auch so seht, müsst ihr natürlich selber entscheiden.

Euer Finanzblogger
Philipp

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