Mittwoch, 28. September 2016

Hedgegeschäfte zur Absicherung des Portfolios - Teil 2

In >Teil 1< habe ich euch anhand der positiven und negativen Korrelation bereits erläutert was Hedging bzw. eine Position zu hedgen bedeutet. Wir haben herausgefunden, dass >Diversfiikation< bereits eine Form von Hedging darstellt. Es ist aber auch klar geworden, dass wir nur mit einem diversifizieren Portfolio alleine nicht verhindern, dass unser Depot bei einem Markteinbruch ins Minus rutscht.

An dieser Stelle möchte ich auch nochmal darauf hinweisen, dass gerade als Buy-And-Hold-Investor mit einem Anlagezeitraum von 10 oder mehr Jahren Hedging überhaupt nicht relevant sein muss. Denn schwache Marktphasen werden einfach ausgesessen oder im besten Fall zum Nachkaufen genutzt. Wenn man nun aber mit einer Position im Depot eine sehr gute Performance hingelegt hat, kann es sein, dass man die „Papiergewinne“ absichern will während man (z.B. wegen der Dividenden) die entsprechende Position nicht verkaufen möchte. Hierfür möchte ich euch nun ein paar Möglichkeiten vorstellen.

Optionen, Optionsscheine und Knockout-Zertifikate als Hedging Instrumente


Wie wir jetzt also wissen, benötigen wir zum optimalen Hedgen ein Finanzinstrument, das sich exakt negativ korrelierend zu unserem ETF bzw. unserer Position verhält. Bei der Suche nach einem passenden Anlagevehikel hilft uns der Blick auf den Derivate- bzw. Zertifikatemarkt. Die im deutschsprachigen Raum gängigsten und bekanntesten Zertifikate sind sog. Optionsscheine (Achtung: Optionen sind nicht dasselbe!) sowie Knock-Out-Zertifikate. Diese Produkte bieten mehrere Eigenschaften die uns bei der Absicherung unserer Positionen weiterhelfen. Zum einen handelt es sich hierbei um Hebelprodukte. Je nach eingesetzten Hebel müsst ihr z.B. nur 100,00€ investieren um eine Long-Position von 1.000,00€ oder mehr abzusichern. Das macht auch absolut Sinn. Ihr würdet ja auch keine 20.000,00€ für eine Versicherung ausgeben um euer Auto im Wert von 20.000,00€ zu versichern richtig? Zum zweiten muss man einfach nur Short- bzw. Put-Zertifikate kaufen, um von fallenden Kursen zu profitieren. So können relativ einfach eure passiven Longinvestments abgesichert werden.

An dieser Stelle eine kurze Begriffserläuterung: Die Begriffe Long, Bullish, Call beschreiben steigende Kurse (bzw. Kurserwartungen). Daher ist ein Aktien- oder ETF-Kauf auch ein Longinvestment. Denn Gewinn machen wir nur, wenn die Preise steigen. Bei den Begriffen Short, Bearish, Put geht es um fallende Kurse.

Optionen und Optionsscheine – Innerer Wert, Zeitwert, Volatilität….


Obwohl Optionen und Optionsscheine nahezu identische Produkte sind, unterscheiden sie sich in einigen wesentlichen Eigenschaften. Welche das genau sind könnt ihr >hier< und >hier< nachlesen. Fakt ist, dass an Optionsscheinen die Emittenten (also die Banken) kräftig mitverdienen. Deshalb werden gerade in Deutschland diese Produkte ordentlich gepusht und als „viel besser als Optionen“ verkauft. Das sollte man natürlich nicht einfach blind glauben.

Bevor ihr überhaupt darüber nachdenkt mit Optionen oder Optionsscheinen zu handeln solltet ihr euch aber eingehend mit dem Thema beschäftigen. Hier möchte ich nur mal ein paar relevante Begriffe zu dem Thema fallen lassen, damit euch die Komplexität dieser Produkte bewusst wird: Verfallstag, Zeitwert, Innerer Wert, Ausübung, Volatilität, Optionen schreiben, Optionsstrategien usw. Hinzu kommt noch, dass es zwischen europäischen Optionen und den amerikanischen Optionen (von vielen als das Heimatland des Optionshandels bezeichnet) wieder Unterschiede gibt. So können z.B. amerikanische Optionen jederzeit ausgeübt werden, während europäische Optionen nur am Verfallstag ausgeübt werden können. Außerdem kann das Risiko bestehen, dass der Verlust das eingesetzte Kapital übersteigt. Dessen sollte man sich definitiv bewusst sein.

Ihr seid gerade nicht mehr mitgekommen? Das ist kein Problem. Das ist auch nicht zwingend nötig. Nur dann sollte man von diesen Produkten auch die Finger lassen.

Open End Knock-Out-Zertifikate zur Absicherung


Als nächstes möchte ich euch noch die sog. Knock-Out-Zertifikate vorstellen. Auch hierbei handelt es sich um ein Hebelprodukt. Obwohl sie eine ähnliche Wirkung wie Optionsscheine haben sind sie aber anders aufgebaut. Vereinfacht dargestellt reicht der Emittent bei einem Long-KO-Zertifikat die Kursgewinne einer Einheit des Basiswertes (= Das ist das Asset auf das ihr das Zertifikat gekauft habt, das kann z.B. der Goldpreis sein oder der DAX-Index) weiter. Da ihr nur einen Bruchteil des Basiswertes für das Zertifikat investieren müsst, ergibt sich hieraus der Hebel. Bei einem Hebel von 10, entwickelt sich z.B. euer Knockout-Zertifikat 10 Mal so stark wie der Basiswert. Am Beispiel vom Dax-Index erklärt: Steigt der Dax-Index um 1% würde das entsprechende Long-KO-Zertifikat mit Hebel 10 um 10% steigen. Bei Short-Zertifikaten wäre es genau andersherum. Fällt der Dax-Index um 1%, steigt euer Short-KO-Zertifikat um 10%. Außerdem hat die (Markt-)Volatilität (s. auch >VIX-Index< ) im Gegensatz zu Optionen keine Auswirkungen auf den Preis von KO-Zertifikaten.

Ich persönlich kaufe außerdem ausschließlich sog. Open End Knock-Out Zertifikate. Diese haben den Vorteil, dass Sie quasi eine unendliche Laufzeit haben. Ein Verfallstag o.ä. braucht euch daher nicht zu interessieren. Einer der wichtigsten Faktoren bei diesen Zertifikaten ist die Knock-Out-Schwelle. Denn die Regel ist ganz klar und einfach. Berührt der Kurs des Basiswertes die Knock-Out-schwelle (auch nur ganz kurz während des Tagesverlaufs), verfällt eurer Knock-Out-Zertifikat sofort wertlos. Das komplette eingesetzte Kapital ist weg. Allerdings könnt ihr nur maximal das verlieren, was ihr eingesetzt habt. Das ist ein Vorteil gegenüber den Optionsscheinen. Je nachdem für welche Knock-Out-Schwelle ihr euch entscheidet, fällt der Hebel und damit das Risiko aus.

Im folgenden Goldkurs-Chart habe ich versucht die Funktionsweise eines Knockout Zertifikates grafisch darzustellen:


Funktionsweise Knock-Out-Zertifikat Short

Da ich die KO-Zertifikate nur zu Absicherungszwecken kaufe, und nicht um zu zocken, habe ich hier den Kauf eines Short-Zertifikates durchgespielt.

Gehen wir also mal davon aus wir haben eine Gold Position (z.B. über einen Gold-ETC), und der Goldpreis steht bei ca. 1.324USD/Feinunze. Um uns vor fallenden Kursen abzusichern wollen wir also ein KO-Zertifikat kaufen. Als Knockout-Schwelle habe ich 1.380USD/Feinunze gewählt, da es sich hier um einen Markanten Widerstand im Chart zu handeln scheint. Dementsprechend muss man sich jetzt noch ein passendes Zertifikat suchen. Ich benutze hierfür z.B. die Suche von ING-Diba. Hier finde ich u.a. ein Short-KO-Zertifikat auf Gold mit einer Knock-Out-Schwelle von 1.381,83USD und einem Hebel von 23,4 und einem Preis von 5,08€ pro Zertifikat. Es lohnt sich aber definitiv etwas Zeit in die Suche zu investieren. In diesem Beispiel habe ich z.B. auch ein UBS Short-Zertifikat auf Gold mit einem Hebel von 24,4 und einer Knock-Out-Schwelle von 1.383,45USD gefunden.

Jetzt stell sich natürlich die Frage woher wir wissen, wie wir berechnen wieviele Zertifikate wir benötigen um unsere Position abzusichern. Hierfür gibt es glücklicherweise eine relativ einfache Formel:

Anzahl Zertifikate = akt. Kurswert eurer Position / akt. Indexkurs * Bezugsverhältnis

Gehen wir in unserem Beispiel mal davon aus, dass unsere Long-Gold-Position mit 15% im Plus bei insgesamt 2.300,00€ liegt. Dann sieht die Rechnung wie folgt aus:

Anzahl Zertifikate = 2.300,00 / 1.324,00 * 0,1 (Das Bezugsverhältnis ist meistens 10:1 oder 100:1)

Anzahl Zertifikate = 17

Damit ihr das nicht immer im Taschenrechner kalkulieren müsst, habe ich >hier< einen KO-Zertifikate-Rechner programmiert.

Wir benötigen also 17 Zertifikate um unsere Position abzusichern. Wenn wir das oben genannte ING-Diba Zertifikat mit einem Preis von 5,08€ kaufen, liegen wir bei einem „Versicherungsbetrag“ von 86,36€ (= 17 * 5,08€). Da der Betrag relativ klein ist, würde ich persönlich in diesem Fall die Knockout-Schwelle weiter hochsetzen und so das Risiko eine Knockouts weiter verringern. Ein KO-Zertifikat mit einer Schwelle von 1.410,32USD und einem Hebel von 15,5 kostet z.B. 7,61€. Dann würden wir bei einem Preis von 129,37€ (= 17 * 7,61€) für die „Versicherung“ liegen.

Gier frisst Hirn


Ob und wie ihr jetzt Zertifikate zum Absichern eurer Positionen benutzt, müsst ihr letztendlich natürlich selbst entscheiden. Ihr solltet nur vermeiden vom Absichern zum Zocken überzugehen. Denn wenn man mal in zwei Tagen 100,00€ verdoppelt kann es schnell passieren, dass man größenwahnsinnig wird. Da kommen dann so Gedanken wie „Hätte ich doch nur 1.000,00€ investiert. Dann hätte ich jetzt 2.000,00€! Und das in zwei Tagen!“. Glaubt mir, das ist keine gute Idee. Denn genau dann läuft der Kurs in die falsche Richtung und man wird ausgeknocked. Und das Geld ist weg.

Und wozu Größenwahn führt haben wir ja alle 2008/2009 gesehen….



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