Freitag, 23. September 2016

Hedgegeschäfte zur Absicherung des Portfolios - Teil 1

Hedgen, Hedging, Hedgegeschäfte… was soll dieses „Hätschn“ überhaupt sein?


Vielleicht habt ihr schon mal im Zusammenhang mit der Börse gehört, dass jemand seine Positionen „hedged“. Höchstwahrscheinlich sagt euch auch der Begriff Hedgefonds etwas. Früher habe ich selbst gedacht, dass diese ganze Hedging-Geschichte etwas total kompliziertes ist mit dem sowieso nur Finanzprofis arbeiten. Mittlerweile weiß ich, dass das Thema gar nicht so kompliziert ist und man auch als Privatanleger durchaus „hedgen“ kann. In diesem Artikel möchte ich euch daher erklären worum es genau geht und wie auch ihr davon profitieren könnt.

Fangen wir einfach mal ganz nüchtern mit einer Definition des Begriffes Hedging an:

„Verringerung eines Risikos durch Kombination negativ korrelierter Einzelpositionen. Die Risiken der einen Position werden durch die Chancen der anderen teilweise kompensiert.“ (>Quelle<).

Positive und negative Korrelation


Wichtig bei dieser Definition (deshalb habe ich das auch fett markiert) sind die Begriffe negativ korrelierende Einzelpositionen. Den Unterschied zwischen positiv korrelierend und negativ korrelierend zeigt die folgende Grafik (vereinfacht dargestellt):


Hedgen mit positiver und negativer Korrelation

Wenn Wert A und Wert B sich also positiv korrelierend zueinander verhalten, dann entwickelt sich Wert B genau dann positiv, wenn auch Wert A sich positiv entwickelt. Entwickelt sich Wert A negativ, dann wird auch B negativ. Allerdings kann die Stärke der Entwicklung unterschiedlich ausgeprägt sein. Auf Aktien bezogen heißt dass, dass wenn Aktie A um 5% steigt, dann steigt zwar auch Aktie B aber vielleicht nur um 3%.

Bei der negativen Korrelation entwickeln sich die Werte A und B genau entgegengesetzt. Steigt Wert A, dann fällt Wert B. Fällt hingegen Wert A, dann steigt Wert B. Auch hier kann die Ausprägung der Entwicklung unterschiedlich ausfallen. Im besten Fall gleichen sich die unterschiedlichen Entwicklungen gegenseitig aus. Genau diesen Effekt nutzt man beim Hedging zur Absicherung seiner Positionen aus.

Wer sollte Hedging benutzen und was kann man sich dabei von den Profis abgucken?


Jetzt stellt sich natürlich die Frage inwieweit uns als Otto-Normal-Börsenanleger das Ganze bei der Geldanlage weiterhilft. Tatsache ist, dass wenn ihr ein über verschiedene Aktien und Anlageklassen diversifiziertes Portfolio besitzt (wie in meinen Artikeln >Diversifikation< und >Das krisensichere Portfolio< beschrieben), ihr bereits aktiv am hedgen seid. Denn das Ziel der Diversifikation ist es ja schließlich, dass in einem Portfolio die Verluste des eines Wertes durch Gewinne des anderen Wertes (z.B. teilweise) kompensiert werden. Ein klassisches negativ korrelierendes Paar waren und sind z.B. Aktien und Gold. Denn Gold gilt als „sicherer Hafen“ in den investiert wird, wenn es am Aktienmarkt bergab geht. Innerhalb von einem reinen Aktienportfolio ist eine Diversifikation aber natürlich auch möglich, indem man z.B. in unterschiedlichste Branchen und Regionen investiert die sich zueinander negativ korrelierend verhalten.

Anmerkung: Man könnte natürlich auch ganz ohne Hedging auskommen. Wenn man z.B. in eine Aktie investiert hat und diese stark gestiegen ist, könnte man ja die Anteile verkaufen und so den Gewinn sichern. Allerdings muss man da schon aktives Trading betreiben und ein gutes Markttiming haben. Für mich als passiver Buy-And-Hold-Investor (der ja auch die Dividenden kassieren will) kommt diese Variante daher nicht in Betracht. Viele Fondsmanager haben das Problem, dass Sie nicht einfach von heute auf morgen ganze Positionen verkaufen können oder dürfen. Deshalb gibt es z.B. auch sog. Hedgefonds die aktiv mit unterschiedlichen Finanzinstrumenten arbeiten um auch bei fallenden Kursen Geld zu verdienen.

Festzuhalten bleibt also, dass ein diversifiziertes Portfolio bereits eine Form der Absicherung (=Hedging) darstellt. Hierfür muss man noch lange kein Finanzprofi sein und mit Hilfe von ETF’s ist auch eine breite Diversifikation mit relativ geringen Kosten möglich.

Nachteile von Diversifikation als Hedgeinstrument


Es könnte also alles so schön einfach sein. Man bräuchte nur ein über verschiedene Anlageklassen gestreutes Portfolio und dann währe man vor dem nächsten >Drawdown< sicher. Das Blöde an der ganzen Sache ist nur, dass die Korrelation zwischen zwei Werten sich ändern kann. Denn obwohl z.B. Aktien und Gold oft als klassisches negativ korrelierendes Paar genannt werden ist das praktische Beispiel, dass die Korrelation auch positiv sein kann gar nicht so lange her.

Am vorletzten Freitag den 09.09.2016 hatten wir einen „kleinen“ Absturz am weltweiten Aktienmarkt der auch fallende Kurse in der darauf folgenden Woche mit sich brachte. Wer an diesem Freitag in sein Depot schaute hatte (so wie ich) trotz Streuung auf Aktien, Anleihen und Gold ein rotes Minus vor Augen. In diesem Moment verhielten sich also Aktien und Gold positiv korrelierend zueinander. Aktuell ist es sogar so (23.09.2016), dass Aktien und Gold gleichermaßen steigen und sich somit weiterhin positiv korrelierend verhalten.

Daraus können wir schließen, dass eine Diversifikation in unterschiedliche Werte, insbesondere bei harten Markteinbrüchen, über kurze Zeiträume kaum eine Absicherung darstellt. Umso länger der Anlagehorizont allerdings ist, desto eher tritt der absichernde Effekt einer negativen Korrelation unterschiedlicher Werte ein. Nach dem weltweiten Börsenbeben 2008/2009 legte Gold z.B. in kürzester Zeit eine Rally zum historischen Höchstwert von fast 2.000,00USD pro Feinunze hin, während Aktien seitwärts liefen und kaum vom Fleck kamen. Danach begann die bis heute andauernde Aktienmarktrally (getrieben vom billigen Geld der Zentralbanken) und der gleichzeitige Absturz des Goldpreises (bis Ende 2015) auf fast 1.000,00US pro Feinunze.

Was kann man also tun um sich gegen kurzfristige Verluste abzusichern?


Als klassischer Buy-And-Hold-(Dividenden)-Investor stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Denn gerade wenn ihr mit monatlichen Sparplänen investiert, könnt ihr euch bei einem Crash über günstige Einkaufspreise freuen. Außerdem wissen wir ja, dass bei einem ausreichend langen Anlagehorizont ein positiver Depotwert so gut wie sicher ist. Was ihr nie vergessen solltet ist, dass ein Minus („-“) im Depot erst ein echter Verlust wird, wenn ihr eure Positionen verkauft. Viele Leute die 2008/2009 mit einem dicken Verlust verkauft haben, würden jetzt auf fetten Gewinnen sitzen wenn sie einfach nichts getan hätten (oder noch besser: Nachgekauft hätten). Man muss „nur“ die Nervenstärke haben ein negatives Depot über mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre aushalten zu können. Auch hier gilt die Devise „Der Weg ist das Ziel“.

Nun könnte es aber natürlich so sein, dass ihr zu den glücklichen Investoren gehört die die Rally der letzten Jahre mitgenommen haben und jetzt auf dicken Gewinnen sitzen. Und wenn ihr (so wie ich) Dividendeninvestoren seid, dann möchtet ihr eure Positionen natürlich nicht verkaufen, weil ihr dann keine regelmäßigen Dividenden mehr ausgezahlt bekommt.

Und für genau diesen Zweck gibt es am Markt (gehebelte) Finanzinstrumente die man (wie eine Art Versicherung) kurz- bis mittelfristig einsetzen kann um Papiergewinne abzusichern.

Wovon genau ich spreche und wie ihr diese Instrumente für eure Zwecke einsetzen könnt, erfahrt ihr in >Teil 2<.

Bis dahin wünsche ich euch viel Erfolg und einen kühlen Kopf am Aktienmarkt.
Euer Finanzblogger
Philipp

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