Freitag, 19. August 2016

Quellensteuern bei Dividenden und Zinsen (W-8BEN Formular und DBA-Vollmacht)

Ausländische Quellensteuer - Schwierigkeiten für deutsche Anleger


Habt ihr die Überschrift gelesen und euch gedacht „laaaangweiliges Thema…“? Falls es so ist, kann ich das absolut nachvollziehen. Die ganze Steuerthematik ist nicht gerade aufregend und teilweise auch kompliziert. Dennoch ist es als eigenverantwortlicher Investor wichtig sich auch mit diesen Dingen zu beschäftigen (oder zumindest den Steuerberater eures Vertrauens zu beauftragen).

Wie ich in >diesem Artikel< anhand von aktiven Fonds beschrieben habe, spielen Kosten eine entscheidende Rolle im Hinblick auf eure langfristige Rendite bzw. Performance. Und meiner Ansicht nach haben Steuern einen ähnlich schlechten Einfluss auf eure Rendite wie z.B. Verwaltungs- und Depotgebühren. Natürlich gibt es nur einen gewissen Spielraum um Steuern bei euren Börseneinkünften zu sparen. Man sollte aber wenigstens alle (legalen) Möglichkeiten ausnutzen. Dazu gehört z.B. auch Freistellungsaufträge einzurichten (>Hier findet ihr mein Youtube-Tutorial für das Comdirect-Depot<).

In diesem Artikel möchte ich eine spezielle Art der Steuer ansprechen die insbesondere für uns als Dividendeninvestoren wichtig ist (gerade wenn ihr ein global diversifiziertes Depot habt). Denn viele Länder erheben auf bestimmte Kapitaleinkünfte wie z.B. Dividenden und Zinsen eine sogenannte Quellensteuer. Das ganze „Ding“ heißt so, weil diese Steuer direkt an der Quelle von Leistungsvergütungen (wie z.B. eine Dividendenzahlung) abgezogen und an das zuständige Finanzamt abgeführt wird. Bei einer US Aktie bekommt ihr dann z.B. nicht die ganze Dividende ausgezahlt. Die einbehaltene Steuer geht dann direkt ans amerikanische Finanzamt. 

Wenn ihr jetzt US-Aktien (oder ETF’s die US-Aktien enthalten) in eurem Depot habt, wird bei den Erträgen aus diesen Wertpapieren eine Quellensteuer in Höhe von 30% fällig. Zusätzlich müsst ihr dann noch (wenn euer Freibetrag aufgebraucht ist) die 25% Abgeltungssteuer in Deutschland zahlen (ganz schön happig oder?). Aber keine Panik, da kann man noch was machen da unser schönes Deutschland mit vielen Ländern ein sogenannten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen hat.

Anrechenbarkeit der Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer


Da mit dem Doppelbesteuerungsabkommen, wie der Name schon sagt, eine doppelte Besteuerung vermieden werden soll, könnt ihr die im Ausland gezahlten Quellensteuern hier in Deutschland auf die Einkommensteuer anrechnen. Hierbei gibt es allerdings zwei Einschränkungen. Erstens ist eine Anrechnung nur möglich, wenn auch wirklich eine Abgeltungssteuer erhoben wird. Wenn ihr einen Freistellungsauftrag eingereicht hat und eure Erträge unter der Freigrenze von 801,00€ bzw. 1.602,00€ liegen, zahlt ihr auch keine Abgeltungssteuer und könnt somit auch nichts von der Quellensteuer anrechnen lassen (was übrigens bei den meisten Depotbanken automatisch erfolgt).  Zweitens gilt diese Regelung bei Dividenden nur bis zu einer Obergrenze von 15% und viele Länder, wie z.B. die USA, erheben erstmal eine höhere Quellensteuer. Die Differenz könnt ihr zwar oft von dem jeweiligen Finanzamt zurückfordern, dass kann allerdings je nach Land relativ kompliziert und langwierig werden.

Das deutsch-amerikanische Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) W-8BEN Formular


Im Hinblick auf die US-Quellensteuer könnt ihr ganz einfach von dem deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen profitieren. Denn wenn ihr als deutsche Anleger die nötigen Voraussetzungen erfüllt müsst ihr dann anstatt 30% Quellensteuer nur noch 0% bei Zinsen und 15% bei Dividenden bezahlen, die ihr ja (wie oben beschrieben) auf die Abgeltungssteuer anrechnen könnt. Hierfür gibt es ein Formular mit dem kryptischen Namen W-8BEN welches ihr einmalig ausfüllen und bei eurem Broker einreichen müsst. Um euch das Ganze zu erleichtern, habe ich euch auf Dropbox eine Datei hochgeladen wo ihr das Formular inkl. Ausfüllanleitung findet:
 
Wenn ihr euch nicht sicher seid würde ich definitiv empfehlen das Formular ausgefüllt an euren Broker zu senden. Ich habe das z.B. bei der >Comdirect< und >ING-Diba< einfach Mal gemacht. Da ich keine Empfangsbestätigung bekam, habe ich angerufen und nachgefragt. Bei beiden wurde mir der Eingang bestätigt und gesagt, dass man davon ausgehe, die Kunden würden sich selber informieren und bei Bedarf das Formular einreichen. Daher bekommt ihr auch keinen Hinweis wenn ihr amerikanische Aktien im Depot habt.

Quellensteuern in anderen Ländern


Leider gibt es noch jede Menge andere Länder die eine höhere Quellensteuer als 15% erheben. Mit vielen davon gibt es in Deutschland allerdings das Doppelbesteuerungsabkommen. Auf  >dieser Seite vom Bundeszentralamt für Steuern< findet ihr immer die aktuellste Übersicht. Wie bereits erwähnt könntet ihr euch jetzt jedes Jahr selber darum kümmern die zu viel gezahlte Quellensteuer in den jeweiligen Ländern zurückzufordern. Das ist aber teilweise recht kompliziert und zeitaufwendig. Daher möchte ich euch hier noch den letzten hilfreichen Tipp dieses Artikels an die Hand geben. Je nachdem wo ihr euer Depot habt, bietet euch euer Broker den besonderen Service sich um alles zu kümmern damit ihr euch entspannt zurücklehnen könnt. Die Comdirect ist z.B. ein Broker der euch diesen Service bietet. Alles was ihr dafür machen müsst, ist einmalig eine sogenannte DBA-Vollmacht einzureichen. Auch die habe ich euch für Comdirect inkl. Anleitung rausgesucht:


Ich kann es voll und ganz nachvollziehen wenn ihr das ganze Thema gerade total anstrengend findet. Aber trotzdem kann ich nur an euch appellieren kein zusätzliches Geld an fremde Finanzämter zu verschenken. Wir zahlen ja schon genug ans deutsche Finanzamt…

Euer Philipp.
Finanzamt Düsseldorf

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