Mittwoch, 31. August 2016

Das krisensichere Portfolio



Aus der Börsen- und Finanzgeschichte lernen


Wahrscheinlich habt ihr beim Kleingedruckten von Fonds oder anderen Anlageklassen schonmal Haftungsausschlüsse gelesen die ungefähr so lauteten: „Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist keine Garantie für zukünftige Entwicklungen“. Das interessante dabei ist ja, dass die meisten „Berater“ oftmals gerade die Performance der letzten Jahre als Verkaufsargument nutzen. Dann wird z.B. der eine Fonds angepriesen, weil der in den letzten 3 Jahren im Durchschnitt 5% mehr Rendite gebracht hat als die anderen angebotenen Fonds.

Dennoch ist dieser Haftungsausschluss wichtig, da eine vergangene Performance eines Assets (=Anlageklasse) keine Garantie für eine positive Entwicklung in der Zukunft ist. Auf der anderen Seiten beruhen die meisten Analysen, und die daraus resultierenden Prognosen, in der Finanzwelt auf Daten aus der Vergangenheit. Das muss ja auch zwangsläufig so sein, da nur diese Daten zur Verfügung stehen. Schließlich hat keiner eine Glaskugel mit der man in die Zukunft sehen kann. Und tatsächlich ist es so, dass es bestimmte Muster gibt, die sich in ähnlicher Weise immer wiederholen. Daher macht es auch für uns Sinn uns vergangene Krisen und Crashs anzusehen, um bestmöglich für die Zukunft gewappnet zu sein. Aus diesem Grund schauen wir uns in diesem Artikel mal an, wie sich 14 verschiedene Assets während der 5 letzten Krisensituationen verhalten haben.

Wie sich unterschiedliche Assets während Krisenzeiten verhielten


Zuerst schauen wir uns mal die einzelnen Krisenphasen an. Hier erfahrt ihr auch, welche Assets in dieser Zeit am schlechtesten abgeschnitten haben und welche am besten. Die Betrachtung findet hier übrigens aus der „USA-Perspektive“ statt. Mit „INTL Stocks“ sind daher die nicht US-Aktien gemeint.

1994: Überraschende Zinsanhebung Der FED

In 1994 erholte sich die Wirtschaft noch von einer Rezessionsphase. Vorausgegangen war eine Phase ohne jegliche Zinsanhebungen von ca. 5 Jahren um die Wirtschaft (ähnlich wie aktuell) anzukurbeln. Als dann quasi ohne Vorwarnung die plötzliche Zinsanhebung kam, traf es die großen Investmenthäuser genauso unvorbereitet wie die Kleinanleger. Die langfristigen Zinsen schossen nach oben und diverse Hedgefonds gerieten in Schieflage.

Ergebnis: Large Cap Aktien (-7,75%) und Small Cap Aktien (-9,84%) traf es am härtesten. Am besten kamen >Managed Futures< (4,07%), Rohstoffe (3,15%) und Gold (0,28%) weg.

1998: Der LTCM Fonds der Nobelpreisträger geht unter

Der bis 1998 kaum bekannte Hedgefonds >Long-Term Capital Management< (LTCM, gemanaged von den beiden Nobelpreisträgern Myron Scholes und Robert Merton) hatte sich dramatisch verspekuliert und drohte einen Kollaps des Bankensystems auszulösen und damit das gesamte Weltfinanzsystem in den Abgrund zu reisen. Im Zuge der >Asien-Krise<  verlor der Fonds u.a. an nur einem Tag rund eine halbe Milliarde Dollar. Nur durch eine Rettungsaktion der großen amerikanischen Banken, angeführt von der FED, konnte schlimmeres verhindert werden.

Ergebnis: Aktien insg. und >REIT's< werden zerfetzt. Staatsanleihen (0,78%) und Managed Futures (5,61%) kommen ganz gut weg.

2000: Die Dotcom Tech-Blase platzt

Die meisten Investoren, die damals schon aktiv waren, werden das Jahr 2000 wohl ganz stark mit der Telekom-Aktie in Erinnerung haben. Das Problem waren hauptsächlich die ganzen neuen „Tech-Unternehmen“ die aus dem Boden schossen und kaum echte Umsätze und Gewinne generierten. Die Aktienkurse stiegen aber aufgrund der unrealistisch hohen Erwartungen an den „neuen Markt“ ins Unermessliche. Als die Blase dann im März 2000 platzte, verlor der NASDAQ, gemessen an dem damaligen Höchststand, in kürzester Zeit rund 70%.

Ergebnis: Large Cap Aktien (-40,33%), Small Cap Aktien (-35,29%),  Private Equity (-25,40%), INTL Stocks [Internationaler Aktienkorb (-46,53%)] hatten große Verluste zu verzeichnen. REIT’s (49,48%) und Global Macro (44,69%) entwickelten sich sehr gut. Und Gold (0,47%) hat seinen Wert quasi nicht verändert.

2001: 11. September Terrorangriff auf das World Trade Center

Ich denke fast jeder von euch kann noch genau sagen, wo er die schrecklichen Bilder an diesem Tag im TV gesehen hat. Natürlich hatte dieser Angriff auch (überschaubare) Auswirkungen auf die Börsen. Diese blieben bis zum 17. September geschlossen und bei der Eröffnung startete der Dow Jones mit einem Verlust von -7,00%. 

Ergebnis: Fast alle Anlageklassen hatten mit erhöhter Volatilität und Verlusten zu kämpfen. Lediglich Gold (3,73%) konnte Gewinne verzeichnen.

2008: Globale Finanzkrise (Weltwirtschaftskrise?)

Die amerikanische Immobilienblase platzt und mit der einhergehenden Pleite der US-Amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers wird die gesamte Welt in eine Finanz- (manche sprechen auch von einer Weltwirtschafts-) Krise gerissen. Wer den Film >The Big Short< gesehen hat weiß, dass sich viele Banken (darunter auch die Deutsche Bank) mit Derivaten und anderen Hebelprodukten verspekuliert hatten. Die Folgen spüren wir bis heute (Stichwort Negativzinsen, Griechenland-Pleite, Negative Staatsanleihen etc.)

Ergebnis: Auch bei dieser Krise hat es die meisten Anlageklassen mit teils enormen Verlusten hart erwischt. Lediglich Gold konnte sprichwörtlich seinen Glanz bewahren und zweistellige Gewinne einfahren (16,33%).

Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung all der genannten Assets in einer Gesamtbetrachtung während der Krisen seit 1994:

Performance von Assets in Krisen (Quelle)


Wie hilft uns das ein krisenfestes Portfolio zu bauen?


Wie wir nun wissen, gab es in der Vergangenheit immer wieder Anlageklassen die sich während Krisen ganz gut behaupten konnten. Durchweg schlecht schnitten allerdings Aktien ab. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass ihr Aktien komplett meiden sollt. Denn wir wissen auch, dass die Erholung bis jetzt jedesmal folgte. Aber vielleicht macht es ja Sinn im Rahmen einer ausreichenden >Diversifikation< nicht nur auf Aktien zu setzen?

Die zwei Assets, die sich am besten entwickelten, (nämlich Managed Futures und Global Macro) lassen wir mal außen vor. Hierbei handelt es sich um Sonderformen von Hedge Fonds, die teilweise mit spekulativen Investmentvehikeln mit hohen Hebeln arbeiten. Also für uns „Normalanleger“ kaum zu verstehen und auch kaum zum Investieren zugänglich. Danach kommen die Staatsanleihen (= Bonds). Durch unsere verrückte Notenbankpolitik sind allerdings mittlerweile die meisten Staatsanleihen negativ. Da kann man das Geld auch direkt Cash zu Hause bunkern. Danach kommt aber auch schon Gold.

Gold als sicherer Hafen in Krisenzeiten


Kennt ihr den Spruch „Totgesagte leben länger“? Nachdem sich die Aktienmärkte von 2008/2009 erholt hatten und Gold bis auf fast 2.000,00$ pro Unze gestiegen war, ging es nur noch bergab für das gelbe Edelmetall. In 2015 erreichte es dann die niedrigsten Bewertungen bei ca. 1.000,00$. Zu dieser Zeit hieß es in allen Mainstream-Medien nur noch Gold habe seine Funktion als Versicherung im Aktien- bzw. Finanzmarkt verloren. Tja, die haben alle blöd geguckt, als Gold dieses Jahr wieder bis auf fast 1.400,00$ gestiegen ist. Und auch unsere Betrachtung der letzten 5 Krisen beweist, dass Gold immer ein sicherer Hafen in Krisenzeiten war und meiner Meinung nach auch weiterhin ist. Glücklicherweise gibt es diverse Möglichkeiten in Gold (und auch Silber) zu investieren:


  • Gold ETC’s (ähnlich wie ein ETF, allerdings wird hier in physisches Gold investiert und nicht in Aktien)
  • Goldminen ETF’s (wenn der Goldpreis steigt, profitieren die Goldminenbetreiber umso stärker. Ich selbst habe auch einen Goldminen ETF in meinem >Portfolio<. Hier investiert ihr quasi mit einem Hebel in Gold, allerdings in beide Richtungen)
  • Gold in physischer Form als Münzen und Barren (jeder sollte meiner Ansicht nach zu Hause ein paar Goldmünzen und Silbermünzen zu Hause haben. Wenn eine Währung zusammenbricht, könnt ihr damit wenigstens noch etwas kaufen)

Silbertresor - Ihr Edelmetallhändler

Unternehmensanleihen als Renditebringer mit geringer Volatilität


Das nächste Asset aus der Liste, was man als Privatinvestor gut im eigenen Portfolio integrieren kann, sind >Unternehmensanleihen< (verwirrenderweise als High Yield Junk Bonds bezeichnet). Hier haben wir die charmante Tatsache, dass sie in den letzten Krisen deutlich geringere Verluste ausgewiesen haben als Aktien und jetzt immer noch ganz gute Renditen ausschütten. Ich habe 2 ETF’s auf Unternehmensanleihen in meinem Portfolio. Der iShares Global High Yield Corp Bond UCITS ETF z.B. schüttet aktuell jährliche Zinsen von rund 5% aus. Und das ist schon eine Hausnummer wenn man berücksichtigt, dass überall Negativzinsen auf dem Vormarsch sind. Man sollte aber berücksichtigen, dass wir aktuell vom allgemeinen Zinsniveau her eine ähnliche Situation haben wie 1994. Viel weiter kann es eigentlich nicht mehr runtergehen (wir haben ja teilweise schon Negativzinsen). Das Risiko ist, dass sich stark steigende Leitzinsen negativ auf Anleihen auswirken. Deshalb ist mir eine weltweite Diversifikation hier besonders wichtig. Denn es ist relativ unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren weltweit gleichzeitig die Leitzinsen drastisch angehoben werden (unmöglich ist es aber natürlich auch nicht). 

Mein Portfolio versuche ich daher ungefähr so zu gewichten: Eine Hälfte (bzw. 2/4) investiere ich in dividendenstarke Aktien (über ETF’s, weltweit gestreut). Ein Viertel (¼) investiere ich in Gold(-minenaktien) und Silber. Und ein Viertel (¼) geht in Unternehmensanleihen (ebenfalls über ETF’s und weltweit gestreut). Auf Basis der Erfahrungen aus den letzten Krisen und Crashs hoffe ich, dass ich hiermit auch ganz gut durch die nächste(n) Krise(n) komme.

Krisensicheres Portfolio


Ich hoffe, dass euch dieser Artikel Anregungen liefert, wie ihr euer eigenes Portfolio gestalten bzw. optimieren könnt.

Viel Erfolg dabei!
Euer Philipp.

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