Sonntag, 24. Juli 2016

Worauf achte ich bei einem ETF?



Mittlerweile wisst ihr ja, dass die Grundlage meiner Anlagestrategie darin besteht in dividendenstarke Aktientitel (sog. Dividendenaristokraten) zu investieren. Aus Risikogründen liegt hierbei das Hauptaugenmerk auf einer ausreichenden Diversifikation (=Aufteilung des Geldes auf unterschiedliche Aktien). Um das mit vertretbaren Kosten als „Normalanleger“ überhaupt erreichen zu können, setze ich daher auf passive Indexfonds (ETF’s). 

Nun stellt sich für euch wahrscheinlich die Frage, für welche ETF’s man sich überhaupt entscheiden sollte. Wenn ihr Mal nach „Dividenden + ETF“ googelt werdet ihr nämlich feststellen, dass ihr die Qual der Wahl habt. Für verschiedene Indizes, die Dividendenaktien enthalten, gibt es wiederum verschiedene ETF’s (z.B. verschiedene Branchenschwerpunkt oder auch Regionen) von unterschiedlichen Anbietern. 

Generell würde ich empfehlen gerade am Anfang auf einen möglichst breit aufgestellten Index wie den Dow Jones STOXX (R) Global Select Dividend 100 zu setzen. In diesem Index sind Unternehmen aus der ganzen Welt aus unterschiedlichen Branchen (wie z.B. Versorger, Industrie, Konsumgüter, Gesundheitswesen etc.) enthalten. Wenn Ihr mit einer monatlichen Sparrate von 25,00€ oder 50,00€ startet, reicht ein ETF auf diesen Index vollkommen aus. Ihr erreicht mit nur einem einzigen Anlageprodukt eine hohe Diversifikation in unterschiedlichste Branchen und Regionen auf der Welt.

Wenn ihr jetzt nach einem passenden ETF sucht, findet ihr schnell heraus, dass gleich mehrere Anbieter einen ETF auf diesen Index anbieten. Um euch bei der Auswahl zu unterstützen, möchte ich euch daher an einem konkreten Beispiel aus meinem Portfolio zeigen, worauf ich bei der Entscheidung für einen passiven Indexfonds mit Dividendenaktien achte. Ich habe mich nämlich für den iShares STOXX Global Select Dividend 100 (DE) (WKN: A0F5UH) entscheiden. 

Hierfür schauen wir uns gemeinsam die Übersicht bei der ING-Diba an. Das schöne ist, ihr müsst kein Konto bzw. Depot bei der ING-Diba haben (hier kostenloses Depot eröffnen) um auf diese Informationen zugreifen zu können. Ihr geht einfach auf www.ing-diba.de und gebt ganz oben in dem Suchfeld entweder den Namen des ETF oder die WKN-Nummer ein. Und mit einem Klick auf Enter landet ihr auch schon auf der „Überblick“-Seite des entsprechenden Fonds. Das sieht dann so aus:

ING Diba Fondsübersicht


Weitere Informationen erhaltet ihr, wenn ihr auf „Fondsprofil“ klickt. Teilweise gibt es zwar Wiederholungen aber wenn ihr euch beide Seiten anschaut, findet ihr normalerweise alle wichtigen Informationen heraus. Zudem erfahrt ihr auf der Fondsprofil-Seite die genaue Zusammensetzung des ETF’s (Verteilung nach Ländern und Branchen) und meistens die größten Positionen.

ING Diba Fondsübersicht

Aber auf welche Punkte achte ich jetzt und warum? Wir gehen einfach mal die in den Bildern markierten Punkte durch.

Sparplan möglich: Hier kann entweder Ja oder Nein stehen. Dieser Punkt sagt allerdings nur aus, ob ein Sparplan für den ETF bei der ING-Diba möglich ist. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich neuerdings ein Depot bei der Comdirect (hier kostenloses Depot eröffnen) habe. Denn hier gibt es für diverse Fonds Sparpläne die es bei der ING-Diba nicht gibt. Andersrum bietet die ING-Diba für ETF’s Sparpläne die ihr bei der Comdirect nicht besparen könnt. Dieser Punkt ist also erst Mal kein entscheidender Faktor für die Auswahl des ETF’s (nur wenn ich prinzipiell keine Möglichkeit für einen Sparplan haben sollte).

Gesamtkosten (TER) p.a.: Wie ich in >diesem Artikel< schon geschrieben habe, spielen die laufenden Kosten eine entscheidende Rolle für die langfristige Performance eurer Geldanlage. Wenn ich jetzt also mehrere ETF’s für denselben Index vergleiche, bekommt natürlich der mit den geringeren jährlichen Kosten einen Pluspunkt.

Fondswährung: In der Regel wird hier EUR oder USD stehen. Bei EUR ist alles tutti frutti. Komplizierter wird es teilweise bei ausländischen ETF’s die in USD gehandelt werden. Wenn ihr in einen solchen Fonds investiert, besteht ein sog. Währungsrisiko bzw. Wechselkursrisiko. Ohne jetzt zu tief in das Thema einzusteigen, ist das ein Faktor der sich (zumindest temporär) auf den Wert eurer Anlage auswirken kann. Aber was bedeutet das genau? Fakt ist, dass nicht nur die Kurse der Aktien schwanken (mal hoch mal runter) sondern, dass der Wechselkurs von EUR/USD ebenfalls Schwankungen unterliegt. Aus deutscher Sicht spricht man dann oft davon, dass der Euro gegenüber dem Dollar stärker oder schwächer wird. Würde sich z.B. der Kurs des ETF’s nicht verändern (was ja nicht passiert) könnte der Fonds dennoch an Wert verlieren oder gewinnen, wenn sich der Wechselkurs ändert. Ich persönlich finde, dass einem als langfristiger Investor so etwas ziemlich egal sein kann, da es sich eben um normale Schwankungen handelt. Außerdem ist dies ein weiterer Faktor der Diversifikation. Denn es macht absolut Sinn nicht sein ganzes Kapital in der einheimischen Währung anzulegen.

Fondsvermögen: Hier erfahrt ihr wie hoch das in dem vorliegenden ETF angelegte Vermögen ist. Das bedeutet also, wie viel Geld Anleger insgesamt weltweit hier investiert haben. Per Definition beschreibt diese Position die Gesamtheit aller im Fonds befindlichen Vermögenswerte einschließlich Barvermögen. Wenn die Aktienkurse steigen, kann das Fondsvermögen auch ansteigen ohne, dass neues Kapital reingepumpt wird. Umgekehrt sinkt das Fondsvermögen bei fallenden Aktienkursen auch ohne, dass Fondsanteile verkauft werden. Um uns eine Einordnung zu erleichtern, wird hier zwischen (Klein), (Mittel) und (Groß) unterschieden. Für uns als langfristige Anleger spielt dieser Faktor eine entscheidende Rolle. Prinzipiell gilt: Umso größer, desto besser bzw. sicherer. Denn insbesondere wenn es an den Börsen heftig runter geht (z.B. wie bei dem Crash 2008/2009) wollen wir ja unsere Investments behalten und sogar weiter investieren. „Auf dem Papier“ kann das bedeuten, dass temporär nicht realisierte Verluste von bis zu -50% oder mehr ausgewiesen werden. Das ist erst Mal nicht weiter schlimm. Allerdings gibt es viele Anleger, die in solchen Situationen die Nerven verlieren und ihre Verluste realisieren indem sie ihren ETF verkaufen. Es wird also Vermögen aus dem Fonds abgezogen. Der Anbieter hat aber weiterhin Management- und Verwaltungskosten. Wenn bei stark fallenden Kursen zu viel Geld abgezogen wird, sodass sich das Ganze für den Anbieter nicht mehr rentiert kann es passieren, dass der ETF geschlossen wird. In dem Moment bekommt ihr den dann aktuellen Wert eures Investments ausgezahlt. Die Verluste werden also im schlechtesten Moment realisiert. Bei ETF’s mit einem großen Fondsvermögen ist dieses Risiko allerdings ziemlich gering.

Nachbildung: Wie ich in meinem Artikel >Was ist jetzt eigentlich ein ETF?< bereits erwähnt habe, gibt es verschiedene Arten wie in einem passiven Indexfonds der zugrunde liegende Index nachgebildet bzw. repliziert wird. Generell wird zwischen drei unterschiedlichen Methoden unterschieden:

1.       Vollständig bzw. Physisch -> Am besten
2.       Optimiert bzw. Teil-Synthetisch -> Weniger gut
3.       Synthetisch bzw. Swap-Basiert -> Am wenigsten gut

Detailliert auf die einzelnen Replikationsmethoden einzugehen würde leider den Rahmen sprengen. Ihr könnte aber gerne >hier< und >hier< alle Details zum Thema nachlesen. Im Endeffekt würde ich immer ETF’s bevorzugen, die den entsprechenden Index vollständig bzw. physisch nachbilden. Denn hier ist auch wirklich drinnen was drauf steht. Die synthetischen bzw. swap-basierten passiven Indexfonds sind eher mit einer „Überraschungstüte“ zu vergleichen. Allerdings bleibt einem gerade bei exotischen Indizes manchmal keine andere Wahl, als sich für einen synthetischen ETF zu entscheiden da es keine Alternativen gibt.

Ertragsverwendung: Hier gibt es nur die Varianten Thesaurierend oder Ausschüttend. Bei der ersten Variante wird der Ertrag aus den Dividenden automatisch wieder angelegt. Bei der ausschüttenden Variante werden die Erträge an euch ausgezahlt. Da wir ja langfristig ein passives Einkommen generieren wollen, bevorzuge ich die ausschüttende Variante und kümmere mich manuell um das Reinvestieren. Außerdem ist gerade bei ausländischen ETF's die ganze Steuerthematik deutlich einfacher, wenn die Dividenden ausgeschüttet und automatisch versteuert werden.

Ausschüttungshistorie: An dieser Stelle erfahrt ihr, wie die Ausschüttungen bisher verlaufen sind. Ihr seht die Höhe der Dividendenrendite und auch die Häufigkeit der Auszahlungen (jährlich, quartalsweise, monatlich etc.). Auch hier kann man nicht grundsätzlich von gut oder schlecht sprechen. Ich persönlich mag lieber mehrmalige Auszahlungen im Jahr (die meisten meiner ETF’s zahlen quartalsweise aus). Man bekommt in Summe zwar nicht mehr ausbezahlt als bei einer jährlichen Ausschüttung, aber ich finde öftere Auszahlungen einfach motivierender und der Zinseszinseffekt wirkt hier noch stärker. Außerdem will ich ja irgendwann von den Auszahlungen leben. Da ist es schon von Vorteil wenn man nicht nur einmal im Jahr eine Auszahlung erhält :-)

Bei den letzten beiden Punkten müsst ihr übrigens berücksichtigen, dass die Anbieter die Ertragsverwendung sowie die Ausschüttungsart theoretisch jederzeit ändern können.

Mit diesen Informationen solltet ihr nun in der Lage sein, euch für einen passenden ETF zu entscheiden.
Bis zum nächsten Mal!

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